Infektionen durch Bakterien und Pilze wirksam bekämpfen
Neue Polycarbonat-Folie mit antimikrobiell wirkender Oberfläche
Bayer MaterialScience entwickelt eine neue Polycarbonat-Folie der Marke Makrofol®, die auf der Oberfläche mit einer antimikrobiell wirkenden Thermoplastschicht versehen ist. Bakterien und andere Mikroben, die auf häufig berührten Oberflächen in großer Zahl anhaften und sich vermehren können, werden durch die Schicht wirksam bekämpft. Die Folie eignet sich deshalb besonders für den Einsatz in öffentlich zugänglichen Gebäuden wie Bahnhöfen, Flughäfen, Kaufhäusern und Behörden, aber auch in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Arztpraxen, wo die Hygiene eine besonders große Rolle spielt. Sie ist ein weiteres Beispiel für die Innovationskraft des Bereichs Functional Films bei Bayer MaterialScience.
Infektionskrankheiten sind eine enorme Herausforderung für das öffentliche Gesundheitswesen. Angaben des staatlichen britischen National Audit Office (NAO) zufolge verursachen sie zum Beispiel allein in Großbritannien pro Jahr Kosten von 1,4 Milliarden Pfund. Sehr anfällig für eine Ansteckung sind Menschen mit geschwächter Gesundheit, weshalb Infektionen etwa durch Hefepilze oder das Bakterium staphylococcus aureus in Krankenhäusern oder Seniorenheimen, besonders in Form der multi-resistenten Typen, sehr gefürchtet sind. Mikroben werden unter anderem über Gegenstände übertragen, auf denen sie sich ansiedeln. Entscheidend ist daher, sie direkt dort zu bekämpfen, um die Wahrscheinlichkeit einer Kontaktübertragung und damit das Infektionsrisiko zu minimieren.
„Unsere Folie senkt die Zahl der auf ihr haftenden Mikrobenkeime beträchtlich, indem sie die Zelladhäsion verhindert und das Wachstum der Keime unterdrückt“, erklärt Dr. Heinz Pudleiner, Produktentwickler für Polycarbonat-Folien im Bereich Functional Films bei Bayer MaterialScience. So ergaben mikrobiologische Untersuchungen bei Bayer HealthCare, dass die Zahl der koloniebildenden Einheiten an Erregern (CFU, Colony Forming Unit) um mindestens drei Zehnerpotenzen verringert wird. „Gegenstände mit Oberflächen aus unserer Folie reduzieren daher das Risiko von Infektionen deutlich“, so Pudleiner weiter.
Die neue Folie lässt sich sowohl ein- als auch beidseitig per Coextrusionsverfahren
mit der antimikrobiellen Wirkschicht versehen, die eine silberhaltige Substanz als wirksames Agens enthält. Diese Substanz ist chemisch fest in der abriebfesten, anorganischen Matrix gebunden und laugt daher auf Dauer auch unter dem Einfluss von Feuchtigkeit nicht aus. Die Folie kann kalt unter Druck und dank der hohen Temperaturbeständigkeit der anorganischen Beschichtung auch warm verformt werden. Wie eine Polycarbonat-Standardfolie lässt sie sich auch durch Folienhinterspritzen – mittels Film Insert Molding (FIM)-Verfahren – zu dekorierten dreidimensionalen Kunststoffteilen verarbeiten. Das Bedrucken mit Dekoren und Symbolen wie etwa Schriftzeichen kann mit gängigen Verfahren wie dem Sieb-, Digital- und Laserdruck erfolgen. Die antimikrobielle Oberfläche zeigt eine gute Beständigkeit gegen gängige Desinfektions- und Reinigungsmittel und Haushaltschemikalien.
Bayer MaterialScience sieht für die neue Folie ein großes Einsatzpotenzial. „Mögliche Anwendungen sind flächige Gegenstände, die entweder von kranken Menschen regelmäßig oder von vielen Menschen berührt werden. Dies können Lichtschalter, Tastaturen für Telefone oder Fernbedienungen sein, aber auch Bedienelemente von medizinischen Geräten, Touch Screens von Getränke- und Fahrkartenautomaten oder Ablageflächen von Nachttischen in Krankenhäusern“, erläutert Pudleiner.
Die transluzente Folie soll in Dicken von zurzeit 250 und 375 Mikrometern angeboten werden. Auf Kundenwunsch sind auch andere Dicken möglich. Die Kommerzialisierung ist für die zweite Jahreshälte 2010 vorgesehen.
Quelle: Bayer MaterialScience – 18.03.2010.
Recherchiert und dokumentiert von:
Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
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