MMaterialNews vom 02.03.2010

Optische Gitter aus Lipiden spüren Proteine auf

Wissenschaftler des KIT haben ein neues Verfahren entwickelt, um nanostrukturierte Biomaterialien mit optischen Eigenschaften herzustellen.
Mithilfe dieser optischen Gitter, die aus einer Multilage von Lipiden bestehen, lassen sich Proteine nachweisen und dynamische Prozesse wie ihre Bindung und Adhäsion ohne die sonst übliche Farbstoffmarkierung untersuchen. Die Karlsruher Forscher haben die Ergebnisse ihrer Arbeiten nun in der renommierten Zeitschrift "Nature Nanotechnology" veröffentlicht.

Autoren der Publikation sind Forscher der Institute für Nanotechnologie, Angewandte Physik, Mikrostrukturtechnik, des Lichttechnischen Instituts und des DFG-Centrums für Funktionelle Nanostrukturen des KIT: Dr. Steven Lenhert, Falko Brinkmann, Thomas Laue, Dr. Stefan Walheim, Christoph Vannahme, Sönke Klinkhammer, Dr. Miao Xu, Dr. Sylwia Sekula, Dr. Timo Mappes, Professor Thomas Schimmel and Professor Harald Fuchs.

Die Gitter bestehen aus Linien in der Größenordnung der Lichtwellenlänge. Sie brechen das Licht, wobei die Beugungserscheinungen je nach Höhe der Struktur und Brechungsvermögen der Materialien unterschiedlich ausfallen. Als Gittermaterial besitzen Lipide, die strukturellen und funktionellen Komponenten von biologischen Membranen, eine Reihe von Vorteilen, wie Steven Lenhert, jetzt Assistant Professor an der Florida State University, erklärt. Sie sind biokompatibel und eignen sich ideal für Biosensoren sowie Modellmembransysteme. Da sie in Wasser flüssig und zugleich stabil sind, können sie ihre Form dynamisch ändern.

Zur Fertigung der Gitter setzen die Forscher die so genannte Dip-Pen Nanolithographie (DPN®) ein, eine Direktschreibmethode zur Erzeugung von Nanostrukturen. DPN bietet die erforderliche Auflösung, ermöglicht es, die Stärke der Multilage zu steuern sowie mehrere Materialien auf eine Oberfläche zu schreiben (Multiplexing) oder sogar innerhalb eines Gitters zu verbinden, um mehrere Analyten gleichzeitig zu detektieren. Für externe Forschungsvorhaben lässt sich die Technik im Rahmen der "Karlsruhe Nano Micro Facility" (KNMF) nutzen.

Die neuartigen optischen Gitter aus Biomaterialien ermöglichen die Untersuchung von Lipid-Protein-Wechselwirkungen sowie das Studium der Funktion von Liposomen. Denkbar ist darüber hinaus, sie für diagnostische Anwendungen in der Medizin weiterzuentwickeln.

Quelle: Karlsruher Institut für Technologie - 01.03.2010.

Steven Lenhert, Falko Brinkmann, Thomas Laue, Stefan Walheim, Christoph Vannahme, Soenke Klinkhammer, Miao Xu, Sylwia Sekula, Timo Mappes, Thomas Schimmel and Harald Fuchs: Lipid multilayer gratings. Nature Nanotechnology, published online 28 February 2010 | doi:10.1038/nnano.2010.17

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten des genannten Unternehmens.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Ob aus Fenstern gut geheizter Wohnungen, aus dem Autoauspuff oder aus Industrieanlagen - überall wird Wärme einfach in die Luft gepustet. Was wäre, wenn sich diese Wärme abfangen und weiternutzen ließe? Eine Frage, an der zurzeit intensiv geforscht wird.
Die Wissenschaftler des Nano-Netzwerks CeNIDE der Universität Duisburg-Essen (UDE) verfügen hier über einen entscheidenden Vorteil: eine Technologie, mit der sich Nanomaterialien in großem Maßstab herstellen lassen. Solche Anlagen sind weltweit noch sehr selten - allerdings bilden sie die Voraussetzung dafür, dass Thermogeneratoren, die auf Nanomaterialien basieren, überhaupt zur Serienreife gebracht werden können. Im Auto könnte ein kleiner Thermogenerator aus den Abgasen Wärme aufnehmen... mehr
Eine umfassende Übersicht über die zu erwartenden Entwicklungen von Nanomaterialien und ihren Anwendungen bietet die vorliegende Meta-Roadmap.
Basis ist eine Metaanalyse ausgewählter internationaler Roadmaps und ein anschließender Validierungs- und Rückkopplungsprozess mit Fachexperten. Vorrangiges Ziel dieser Roadmap, die im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erarbeitet wurde, ist die Unterstützung aller Akteure aus Forschung, Industrie und Politik bei der mittelfristigen strategischen Ausrichtung zukünftiger Aktivitäten zur Erforschung und Entwicklung innovativer Nanomaterialien zum Einsatz in verschiedenen... mehr
Werkstoffe, die aus einem Gefüge von Nanoteilchen bestehen, sind fester und härter als Materialien aus größeren Teilchen.
Ein neues Herstellungsverfahren sorgt dafür, dass solche feinkristallinen Strukturen auch bei der Weiterverarbeitung erhalten bleiben. Aluminium ist leicht, verbiegt allerdings auch schnell. Hat es jedoch eine nanometerkleine Struktur, zeigt es andere Eigenschaften: Das Material ist wesentlich stabiler und fester. Daher ist es wie geschaffen für Aluschrauben in Motoren, die hohen Temperaturen standhalten müssen. Auch für Leichtbauteile eignet sich dieser Werkstoff hervorragend, denn je fester... mehr
Die Entstehung magnetischer Quantum Dots wird in Stufenflussmodellen simuliert
Ein bisschen nach Zukunftsmusik klingt das schon: Hunderte von Terabytes auf der Fläche einer momentan handelsüblichen Festplatte speichern? Der Trick liegt in der Struktur: statt mit dem heute üblichen Lithografieverfahren werden die Speicherschichten aus einer Eisen-Platin-Verbindung im sogenannten MBE-Dünnschichtverfahren (aus dem engl. "molecular beam epitaxy") auf den Wafer aufgedampft. Durch einen noch nicht vollständig verstandenen Prozess der Selbstorganisation, bilden sich... mehr

Bücher zum Thema:

Bharat Bhushan
Springer
Janos H. Fendler
Wiley-VCH
Heinrich Hofmann et al.
Springer
Terry L Alford et al
Springer
Chintamani N. R. Rao
Wiley-VCH
Sylvia Leydecker
Birkhäuser
Günter Schmid
Wiley Vch Verlag Gmbh
Kurt E. Geckeler, Hiroyuki Nishide
Wiley-VCH

Materialsgate Glossar

Adhäsion
Adhäsion beschreibt die Summe der anziehenden Wechselwirkungen, die sich zwischen zwei in Kontakt befindlichen kondensierten Phasen ausbilden.
Nanotechnologie
Die Silbe „Nano“ leitet sich von dem griechischen Wort „nãnos“ ab und bedeutet übersetzt "Zwerg". Die Nanotechnologie ist ein interdisziplinäres Arbeitsgebiet, das insbesondere die Inhalte der Disziplinen Materialwissenschaft, Chemie, Physik und Biologie nutzt, um technologische Innovationen zu realisieren. Neue Materialeigenschaften, Integration und Kombination von Funktionen, Materialeinsparung und die Miniaturisierung von Komponenten und Systemen sind typische Forschungsgebiete der Nanotechnologie. Die „echte“ Nanotechnologie beschreibt Stoffsysteme, die mindestens in einer Dimension Abmessungen kleiner als 100 Nanometer besitzen. Ein Nanometer ist übrigens ein millionstel Millimeter.
Oberfläche
Unter einer Oberfläche versteht man die Fläche zwischen einer festen und einer gasförmigen Phase.
Physik
Die Physik ist eine exakte Naturwissenschaft. Sie beschäftigt sich u. a. mit den Zuständen und Zustandsänderungen der Materie.