30.07.2010 09:47 Uhr, 30. KW
Sie sind nicht eingeloggt - Login - Warenkorb -

Unsere M A T E R I A L R E C H E R C H E N geben ...

Innovations-Impulse - über 200 namhafte Unternehmen haben bereits unsere Dienstleistungen (Recherche & Beratung) in Anspruch genommen! Wann zählt ihr Unternehmen dazu?

MMaterialsNews vom 20.11.2009

Neuer Sonderforschungsbereich "Produkt-Regeneration"

Weniger Schrott, bessere Ressourcen-Nutzung, mehr Qualität: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leibniz Universität Hannover optimieren die Instandsetzung von Triebwerken, Windkraftanlagen und Werkzeugmaschinen.
Wenn ein Flugzeug nicht fliegt, sondern gewartet wird, kostet das Geld - viel Geld. Trotzdem wird gerade die Wartung der höchst komplexen und stark beanspruchten Triebwerke eines Flugzeugs auch heute noch weitgehend manuell durchgeführt. Die Turbinenschaufeln werden ausgebaut, eine Fachkraft begutachtet sie und entscheidet, ob beschädigte Schaufeln repariert oder ersetzt werden. "Die Regeneration wird teils händisch und nach Ermessen durchgeführt und fällt daher bei jeder Fachkraft anders aus", erklärt Oliver Kleppa, Geschäftsführer des neuen Sonderforschungsbereichs (SFB) und Ingenieur am Institut für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik (TFD). Diese Art der Entscheidungsfindung ist teuer und kaum reproduzierbar. Bei Reparaturen werden in der Regel Einzelteile betrachtet, nicht aber die Maschine als Ganzes. Das ist kein esoterisches Argument: Wenn sogar ein neuer Autoreifen auf einer Felge eine Unwucht hervorrufen kann, können in einem komplexen Triebwerk einzelne neue oder überarbeitete Komponenten in komplexen Gesamtsystemen erst recht Schaden anrichten.

Der neue Sonderforschungsbereich, der mit vollem Titel "Regeneration komplexer Investitionsgüter" heißt, will all diese Nachteile beheben. Er ist am Institut für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik der Leibniz Universität Hannover federführend angesiedelt und hat am Mittwoch, 18. November 2009, grünes Licht von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bekommen - und damit 10 Millionen Euro für zunächst vier Jahre. Ihre Ergebnisse wenden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neben Triebwerken auch auf andere "komplexe Investitionsgüter" an: Windkraftanlagen, Werkzeug- und Druckmaschinen.

Die Motivation der Forscherinnen und Forscher skizziert Prof. Jörg R. Seume, Sprecher des SFB und Leiter des Instituts für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik (TFD): "Es ist völlig inakzeptabel, dass beim heutigen Stand der Technik der Anteil verschrotteter Komponenten bei den Investitionsgütern so hoch ist, dass nur wenige, zumeist unflexible Reparaturverfahren existieren und dass Erkenntnisse aus der Produktneuentwicklung in die Regeneration kaum einfließen. Und das alles vor dem Hintergrund, dass in Deutschland mehr als die Hälfte der Wertschöpfung im produzierenden Gewerbe mit Investitionsgütern erwirtschaftet wird."

Was kann der SFB daran ändern? Es beginnt damit, dass die Forscherinnen und Forscher daran arbeiten, möglichst frühzeitig Verschleiß von Komponenten in einem Triebwerk zu erkennen, ohne sie auseinanderzubauen, etwa indem sie den Abgasstrahl analysieren. Für die Befundung einzelner Komponenten sollen Regeln entstehen, Regenerationsvarianten sollen simuliert werden. So lassen sich etwa eine teure, aber mit langer Lebenserwartung und großen Energieeinsparungen verbundene Reparatur und eine günstige mit mittlerer Prognose vom Kunden gegeneinander abwägen. Außerdem lässt sich in der Simulation auch das Gesamtsystem betrachten: Wenn zum Beispiel Turbinenschaufeln ersetzt werden müssen, lässt sich ermitteln, wie hoch die Einsparung an Kerosin des Gesamtsystems Triebwerk ist und wie stark damit die Umwelt entlastet werden kann. Das Ergebnis sind Ressourcenschonung, Zeitersparnis und Qualitätsgewinn.

Mit den Sonderforschungsbereichen finanziert die Deutsche Forschungsgemeinschaft nach Urteil der Gutachter "die wissenschaftliche Qualität und Originalität eines anspruchsvollen, aufwendigen und langfristig konzipierten Forschungsvorhabens auf internationalem Niveau". An diesem neuen SFB 871 beteiligen sich sieben Maschinenbau-Institute der Leibniz Universität, darunter drei am Produktionstechnischen Zentrum, außerdem das Institut für Statik und Dynamik der Fakultät für Bauingenieurwesen und das Institut für Produktionswirtschaft der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

Quelle: Leibniz Universität Hannover - 18.11.2009.
Recherchiert und dokumentiert von:
Dr.-Ing. Christoph Konetschny
Material- und Nanoexperte der
Technologie-Agentur Materialsgate

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?
Nutzen Sie dafür unseren Material- und Technologieberatungsservice

MMehr zu diesem Thema:

Das vom Fraunhofer IAO neu entwickelte Werkzeug "BioPat" macht es möglich, Lösungsstrategien und Prinzipien der Natur ohne Umwege zu identifizieren und für Ingenieuraufgaben nutzbar zu machen. Zum Einsatz kommt es im Rahmen der vom IAO jetzt angebotenen Bionikpotenzialanalyse.
Lange bevor der Begriff "Bionik" entstand, nutzte Leonardo da Vinci das Lösungspotenzial aus der Natur und entwarf nach deren Modell technische Konstruktionen, die ihrer Zeit weit voraus waren. Heute ist technisch viel mehr möglich und die Nutzung biologischer Vorbilder zur Entwicklung neuer Produkte oder Prozesse verspricht ressourceneffiziente Lösungen und nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Unzählige innovative Problemlösungsansätze für technische Fragestellungen wie z.B. der Umgang... mehr
Neuartige Anlage zur solaren Wasserreinigung am 5. November 2009 in Lampoldshausen eingeweiht
Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen reinigt von nun an die solare Wasserreinigungsanlage Lampoldshausen (SOWARLA) Wasser unter Einsatz von Sonnenlicht von schwer abbaubaren anorganischen Verunreinigungen. Kernstück der Anlage ist ein neuartiger Solarreceiver, der aus Sonnenstrahlung die nötige Energie gewinnt, um unterschiedlichste Schadstoffe im Wasser zu entfernen. Unter dem Produktnamen RayWOx wurde dieser, auf DLR Know-how basierende Anlagentyp, in den Markt... mehr
Neue internationale Studie bewertet in Euro, wie effizient 17 weltweit führende Autobauer mit Umweltressourcen, Menschen und Kapital wirtschaften.
Die Studie vergleicht die Autobauer über den Zeitraum von 1999 bis 2007. Asiatische Hersteller fahren den meisten Europäern voraus. Toyota und BMW behaupten Spitzenposition. Daimler AG schiebt sich auf Platz drei vor. US-Autobauer und FIAT verlieren Anschluss. Indischer Produzent Tata liefert erstmals Daten. Finanzkrise, Energiekrise, Klimakrise: Wie kaum ein anderer Sektor steuert die Automobilbranche unruhigen Zeiten entgegen. Nie zuvor war es deshalb für die Automobilhersteller so wichtig... mehr
Fakuma 2009 - Auf dem Stand des Fraunhofer ICT wird die Fertigung eines von Stéphane Hubert entworfenen Bumerangs aus nachwachsenden Rohstoffen gezeigt.
Das wachsende Umweltbewusstsein der Kunden und die Verteuerung von Energie und Rohöl sind der Motor für neue Entwicklungen von Biomassebasierten Kunststoffen und Compositen sowie deren Verarbeitung in energieeffizienten Prozessen. Nachwachsende Rohstoffe zur Polymersynthese, -aufbereitung und -verarbeitung sind seit über 10 Jahren ein Forschungsschwerpunkt am Fraunhofer ICT. In dem neuen, großen europäischen Verbundprojekt "BioStruct" unter der Leitung des Fraunhofer ICT forschen... mehr
Der Verbrauch an Energie und Rohstoffen nimmt weltweit ständig zu. Mit Hilfe von Mikrosystemtechnik können knappe Ressourcen besonders effizient genutzt werden.
Mikrosysteme ermöglichen geringeren Energie- und Materialverbrauch, eine längere Lebensdauer von Produkten, weniger Abfälle, die Nutzung alternativer Ressourcen sowie intelligente Produktionsprozesse. Auf der HannoverMesse (20. bis 24. April) zeigt die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, wie die Mikrosystemtechnik jetzt schon zur Ressourceneffizienz beiträgt und welche Zukunftsperspektiven sich bieten (Halle 6). Die Mikrosystemtechnik... mehr

Empfehlungen zum Thema

William McDonough et al.
North Point Press
Geoff Davies
Butterworth-Heinemann
Jürgen Bischoff et al
Log_x (2007)
Philipp Bohr
Vdm Verlag Dr. Müller (Mai 2008)
Werner Nachtigall
Springer, Berlin
Michael Ball, Martin Wietschel
Cambridge University Press
Michael Braungart, William McDonough
Europäische Verlagsanstalt

Materialsgate Glossar

Kerosin
Als Kerosine werden Kraftstoffe für Anwendungen in der Luftfahrt bezeichnet. Mit Kerosinen können beispielsweise Gasturbinentriebwerke betrieben werden. Chemisch betrachtet stellen Kerosine ein komplexes Gemisch aus Alkanen, Cycloalkanen und aromatischen Kohlenwasserstoffen dar, die darin enthaltenen Moleküle enthalten etwa 8 bis 13 Kohlenstoff-Atome.
Verschleiß
Als Verschleiß - umgangssprachlich auch Abnutzung genannt - wird der eintretende Masseverlust einer Materialoberfläche bezeichnet, der durch schleifende, rollende, schlagende, kratzende, chemische oder thermische Beanspruchungen erfolgt.