MMaterialNews vom 19.03.2012

Energie: Hoffnungsträger Lithium-Batterie

Sei es bei der Energieversorgung oder der Elektromobilität – Batterien sind eine Schlüsselkomponente. Auf der Hannover-Messe vom 23. bis 27. April stellen Forscher Lithium-Batterien mit verbesserten Eigenschaften vor: Sie sind schnell aufladbar, biegsam, druckstabil oder optimal gekühlt.
Elektrofahrzeugen gehört die Zukunft – davon sind die Experten überzeugt. Doch bis die leise surrenden Stromer den Verbrennungsmotor gänzlich ablösen können, müssen noch einige Herausforderungen gemeistert werden. Etwa die Energieversorgung: Die Batterien müssen sicher, zuverlässig und preisgünstig sein. Vielversprechend sind unter anderem Lithium-Zellen, sie haben die höchste Energiedichte. Doch nicht nur in Elektroautos finden diese Batterien Anwendung – auch zum Speichern von Wind- und Sonnenenergie, für medizinische Untersuchungen oder den Antrieb von Tiefseefahrzeugen sind sie gefragt. Auf der Hannover-Messe stellen Fraunhofer-Forscher Lithium-Batterien für verschiedene Anwendungen vor (Halle 13, Stand C10).

Schnelles Auf- und Entladen

Bläst der Wind und scheint die Sonne, liefern regenerative Energiequellen oft mehr Strom, als die Verbraucher benötigen – die Energie muss gespeichert werden. LithiumIonen-Batterien können zwar viel Energie aufnehmen, haben aber recht lange Ladezeiten. Superkondensatoren dagegen speichern die Energie schnell, allerdings ist ihre Energiedichte gering. Forscher am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC im Zentrum für Angewandte Elektrochemie in Würzburg entwickeln nun eine Batterie, die die Vorteile von Lithium-Ionen-Batterien und Superkondensatoren vereint. Je nach Anforderung wollen die Wissenschaftler Energiespeicher herstellen, die sie entweder auf die hohe Energiedichte einer Batterie oder auf die hohe Leistungsdichte eines Superkondensators einstellen. Ein Beispiel: Lithium-Ionen-Batterien, die sich um ein Vielfaches schneller aufladen als übliche Batterien.

Lange Lebensdauer durch optimale Kühlung

Eine Temperaturdifferenz von einigen Grad kann einen riesigen Unterschied machen – das gilt auch für Lithium-Batterien. Zehn Grad mehr, und die Lebensdauer der Energiespeicher halbiert sich. Ein ausgeklügeltes Kühlsystem ist daher unerlässlich. Für die Anwendung im Elektroauto haben Forscher am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg ein gut gekühltes Batteriesystem entwickelt: Es besteht aus zwölf flachen Lithium-Zellen, zwischen denen sich jeweils eine fluidumströmte Kühlplatte befindet. Um die optimale Leistung aus den Platten herauszuholen, wurde deren Form simuliert und an die Geometrie der einzelnen Batteriezellen angepasst. Der Effekt kann sich sehen lassen: Die Kühlplatten sorgen für eine weitestgehend homogene Temperaturverteilung im Batteriemodul und reduzieren den Temperaturanstieg auch bei großen Belastungen auf wenige Grad. Ein weiterer Pluspunkt: Die Wissenschaftler haben an jedem Batteriemodul eine Platine angebracht, ein Modulmanagementsystem. Dieses überwacht unter anderem die Temperatur, den Lade- und den Alterungszustand der einzelnen Zellen und sendet die Daten an die zentrale Steuerung des Batteriesystems. Hierzu wurden mit Hilfe modellbasierter Verfahren zuverlässige Algorithmen auf Basis von stochastischen Partikelfiltern entwickelt.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT in Pfinztal setzen auf Luftkühlung: Dabei stapeln sie die einzelnen Lithiumzellen aufeinander, getrennt durch schmale Streifen aus einem speziellen Polymerschaum. Ein Ventilator sorgt für die Luftzirkulation. Die Streifen bieten zwei Vorteile: Zum einen entstehen in den Zwischenräumen Kanäle, durch die Luft strömt und die Wärme abtransportiert. Zum anderen ist die Konstruktion sehr stabil, da die Zellen jeweils direkt auf den Schaumstreifen aufliegen. Die Kühlung arbeitet optimal: Die Zellen sind nicht wärmer als die abgeführte Luft. Kühlmittelpumpen, Kühlflüssigkeiten und Wärmetauscher sind überflüssig. Das Gewicht der Kühlelemente macht weniger als 20 Prozent des Gesamtgewichts der Zellen aus – die Batterie eignet sich daher für den Leichtbau in der Automobilindustrie.

Flexibel und drehbar

Üblicherweise sind Lithium-Zellen starr und unbeweglich. Für einige Anwendungen, etwa in der Medizin, sind biegsame Zellen gefragt. Die erste flexible Lithium-Batterie haben Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie ISIT in Itzehoe entwickelt: Sie lässt sich verbiegen und verdrehen. Doch wie haben die Forscher das erreicht? »Wir arbeiten mit sehr dünnen Elektroden«, verrät Dr. Reinhard Mörtel, Wissenschaftler am ISIT. Außerdem befinden sich in der Kathode, dem Separator und der Anode zwischen einem und zehn Prozent Kunststoff als Bindematerial. Er verklebt die einzelnen Partikel miteinander und sorgt so dafür, dass sich die Aktivschichten ausbilden. Für die flexiblen Zellen haben die Forscher einen Kunststoff verwendet, der laminierbar ist. Erwärmen sie die Schichten unter leichtem Anpressdruck, haften sie anschließend sehr fest aneinander und trennen sich auch dann nicht, wenn die Zelle verdreht oder gebogen wird. Die Zelle ist zum Beispiel bei Schlaflabor-Patienten im Einsatz: Da die meisten Menschen im eigenen Bett besser schlafen als im Labor, bekommen die Patienten die Messgeräte mit nach Hause. Die biegsame Lithium-Zelle ermöglicht eine ein Stromversorgung ohne lästige Kabel.

Druckstabil auch bei 600 bar

Sollen Lithium-Batterien Unterwasserfahrzeuge in der Tiefsee mit Energie versorgen, müssen sie enormen Drücken standhalten. Forscher des ISIT haben eine Batterie entwickelt, die Drücken bis zu 600 bar stand hält, also 600fachem Luftdruck. Darüber hinaus verfügen die Zellen über eine sehr hohe Energiedichte. Die Druckstabilität erreichen die Forscher über zwei Ansätze: Als Zellen verwenden sie zugstabile Pouch-Zellen. Dabei werden Anode und Kathode in einer Folie verpackt, aus der die Luft herausgezogen wird – ähnlich wie bei vakuumverpacktem Kaffeepulver. Der zweite Ansatz liegt beim Separator: Er trennt Anode und Kathode voneinander und vermeidet so einen elektrischen Kurzschluss. Üblicherweise bestehen diese Separatoren aus einer dünnen Glaswolle-Schicht, die mechanisch sehr leicht zerstört werden kann: Es kommt zum Kurzschluss, der unter Umständen die gesamte Batterie vernichtet. Die Forscher haben nun einen Separator entwickelt, der keramisch verstärkt ist und damit deutlich mehr Sicherheit bietet. Ein weiterer Vorteil: Der Separator ist rollbar und lässt sich somit gut großtechnisch verarbeiten.

Erhöhte Sicherheit bei Lithium-Zellen

Sicherheit ist ein wichtiges Kriterium für Batterien. Bei Lithium-Batterien gilt es, Kurzschlüsse zu vermeiden. Sie entstehen, wenn die beiden Elektroden miteinander in Kontakt kommen. Separator-Schichten sollen sie daher voneinander trennen. Kristallisieren die Lithium-Ionen jedoch zu Dendriten – bilden sie also baumartige Kristallstrukturen, wie man sie von Schneeflocken kennt – können diese Dendriten die Separatoren durchstechen. Künftig soll ein neuer Elektrolyt Kurzschlüsse verhindern: Er enthält keramische Elemente. Sie erschweren es den Dendriten, durch den Separator zu dringen. Ein weiteres Sicherheitsplus: Die keramischen Strukturen sind nicht brennbar, es ist daher schwerer, den Elektrolyten zu entflammen. Etwa 80 Prozent aller Schadensfälle lassen sich durch den neuen Elektrolyten vermeiden, den Forscher am ISC ent-wickeln. Besonders wichtig ist dies für Lithium-Batterien mit sehr hohen Energiedichten.

Wie es um die Sicherheit bestimmter Batterien bestellt ist, prüfen Forscher auch am kürzlich eröffneten Batterietestzentrum des ICT. Passen Elektrolyt und Batteriematerialien zusammen? Was passiert, wenn der Elektrolyt zu hohen Temperaturen ausgesetzt wird? Die Forscher untersuchen, wie sich innere Einflüsse, etwa die chemische Zusammensetzung und der Aufbau der Zellen, und äußere Einflüsse, etwa die Umgebungstemperatur, sich auf die Qualität und die Lebensdauer einer Batterie auswirken.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft - 15.03.2012.

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Die Realisierung der Elektromobilität in der Praxis ist eng verbunden mit dem Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien mit entsprechend hoher Leistungsfähigkeit. Das Gewicht dieser Batterien beträgt bei Hybridfahrzeugen rund 40 Kilogramm und kann für vollelektrische PKW 200 Kilogramm oder mehr betragen.
Dies bedeutet im Falle der angestrebten Marktdurchdringung der Elektroantriebe im Automobilbereich in Europa mittel- bis langfristig ein Aufkommen an Altbatterien von mehreren zehntausenden bis über hunderttausend Tonnen jährlich. Für diese Batterien, die wichtige Metalle wie Lithium, Kobalt, Nickel usw. enthalten, sind Recyclingverfahren in der Entwicklung. Ende Oktober 2011 hat das Öko-Institut zwei umfassende Ökobilanzen zu zwei verschiedenen Recyclingverfahren für Lithium-Ionen-Batterien... mehr
There is an ever-increasing need for advanced batteries for portable electronics, such as phones, cameras, and music players, but also to power electric vehicles and to facilitate the distribution and storage of energy derived from renewable energy sources. But, once a battery fails, there are no corrective measures—how do you look inside a battery without destroying it?
Now, researchers at Cambridge University, Stony Brook University, and New York University have developed methodology, based on magnetic resonance imaging (MRI), to do just that. Their technique, which is described in the journal Nature Materials, also creates the possibility of improving battery performance and safety by serving as a diagnostic of its internal workings. MRI has been extremely successful in the medical field for visualizing disorders and assessing the body's response to therapy... mehr
New technology improves both energy capacity and charge rate in rechargeable batteries
Imagine a cellphone battery that stayed charged for more than a week and recharged in just 15 minutes. That dream battery could be closer to reality thanks to Northwestern University research. A team of engineers has created an electrode for lithium-ion batteries -- rechargeable batteries such as those found in cellphones and iPods -- that allows the batteries to hold a charge up to 10 times greater than current technology. Batteries with the new electrode also can charge 10 times faster than current... mehr
Von der Natur inspiriert ist die neuste Entwicklung der Ingenieure des KIT. Um die porösen Elektroden von Lithium-Ionen-Batterien schneller mit flüssigem Elektrolyten zu befüllen, nutzen sie einen physikochemischen Effekt, der auch den Wassertransport in Bäumen ermöglicht. Das neue Verfahren kann bei der Batterieherstellung den Durchsatz erhöhen und die Investitionskosten senken.
Diese und andere Innovationen stellt das KIT vom 18. bis 20. Oktober auf der Internationalen Elektromobilitätsmesse eCarTec in München vor (Halle A5, Stand 323). Die Elektroden im Inneren von modernen Batterien sind porös wie ein Schwamm. Anders als haushaltsübliche Schwämme liegt aber die Porengröße im Mikrometerbereich. Dadurch hat die Elektrode eine sehr große Oberfläche und bietet den chemischen Prozessen bei der elektrischen Be- und Entladung viel Platz. Dies ist eine notwendige Voraussetzung... mehr
RSS
facebook
xing
twitter
linkedin

MaterialCards Weekly

Ihr persönlicher und kostenfreier Material-Reminder - wöchentlich per E-Mail

Service:
Material­cha­rak­teri­sierung und Werkstoffprüfung

Sie benötigen leistungsfähigste Methoden der Material­cha­rak­teri­sierung und Werk­stoff­prü­fung zur Optimierung Ihrer Produkte?
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Metallographie
Keramographie
Element-Mapping
Korrosionstests
Schadensanalyse von Bauteilen
Bruchmechanik
Charakterisierung von Katalysatoren
Charakterisierung von Fügetechnologien
Thermographie
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Automotive Testing
Schadensanalyse von Produkten
Untersuchung von Diffusionsschichten
Prüfung von Kunststoffen
Charakterisierung von Coatings
Medizintechnische Untersuchungen
Gefüge-Analytik
Charakterisierung von Composites
Barriere-Eigenschaften
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Metallographie
Keramographie
Element-Mapping
Korrosionstests
Schadensanalyse von Bauteilen
Bruchmechanik
Charakterisierung von Katalysatoren
Charakterisierung von Fügetechnologien
Thermographie
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Automotive Testing
Schadensanalyse von Produkten
Untersuchung von Diffusionsschichten
Prüfung von Kunststoffen
Charakterisierung von Coatings
Medizintechnische Untersuchungen
Gefüge-Analytik
Charakterisierung von Composites
Barriere-Eigenschaften
Kontaktieren Sie uns – Wir leiten Ihre Fragestellung an einen unserer Kooperationspartner weiter, die alle anerkannte und zertifizierte Prüf­la­bore mit modernster Ausstattung be­treiben.

Empfohlene Literatur

Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA

Empfohlene MaterialCards

Materialsgate Glossar

Anode
Eine Anode ist eine Elektrode an der Oxidationsreaktionen stattfinden.
Elektrolyt
Als Elektrolyte werden Leiter 2. Klasse bezeichnet. Es handelt sich dabei üblicherweise um Lösungen von Salzen, Säure oder Basen. Der Ladungstransport erfolgt hier - im Gegensatz zu metallischen Leitern - über freibewegliche Ionen, die sich in einem elektrischen Feld bewegen.
Ionen
Als Ionen bezeichnet man elektrisch geladene Atome oder Moleküle. Positiv geladene Ionen werden Kationen genannt, sie haben einen Elektronenmangel. Negativ geladene Ionen werden Anionen genannt, sie haben einen Elektronenüberschuss.
Kathode
Eine Kathode ist eine Elektrode an der Reduktionsreaktionen stattfinden.
Lithium
Lithium (Li, Dichte: 0,534 g/cm3, Fp: 180,5 °C) ist ein silberweißes, sehr weiches und hoch reaktives Leichtmetall. Verwendung: Reduktionsmittel, Legierungselement, Lithium-Batterien, Lithium-Ionen-Akkus.
Partikel
Als Partikel werden kleine Festkörperteilchen bezeichnet. Partikel sind typischerweise die festen Bestandteile von dispersen Systemen wie Aerosolen und Suspensionen.
Temperatur
Die Temperatur ist eine physikalische Größe und beschreibt – quantifiziert – den Wärmezustand eines Systems. Ihre SI-Einheit ist das Kelvin (K).
Trennen
In den Ingenieurwissenschaften werden unter dem Oberbegriff Trennen alle Fertigungsverfahren zusammengefasst, bei denen der Zusammenhalt zwischen den Teilchen eines Werkstücks lokal aufgehoben wird, um bestimmte Formen oder Abmessungen einzustellen. Wichtige Trennverfahren sind zum Beispiel: Spanen, Scheren, Funkenerodieren, Plasmaätzen, Laserschneiden und Laserbohren.