MMaterialNews vom 01.06.2010

Silbertechnologie: Neue Zahnwerkstoffe sollen Karies reduzieren

Forschungsprojekt zur Verwendung antimikrobieller Silberzusätze in Zahnprothesen und Füllungen im Mai gestartet / Das Bayerische Förderprogramm „Leitprojekte Medizintechnik“ unterstützt mit 420.000 Euro
Zahnbeläge und mikrobielle Biofilme im Mund können Karies, Zahnfleischentzündungen und Pilzinfektionen verursachen. Bakterielle Entzündungen im Mund können somit die Zähne schädigen und bis hin zum Verlust der Zähne und auch künstlicher Zahnwurzeln, sogenannten Implantaten, führen. Silberzusätze werden aufgrund ihrer hohen bakteriziden und fungiziden Wirkung seit langem als antimikrobielle Beschichtungen von Kathetern und Kanülen in der Medizin eingesetzt und könnten, so die Idee, auch als antimikrobieller Zusatz in zahnärztlichen Materialien wie Prothesen und Füllungen genutzt werden, um Infektionen im Mund zu reduzieren.

Im Forschungsprojekt „Antimikrobielle Dentalprojekte mit Silbertechnologie“ der Cluster-Initiative Bayern erforschen die Bayerischen Universitäten Regensburg und Erlangen gemeinsam mit Industrieunternehmen hochporöses Mikrosilber für verschiedene zahnärztliche Anwendungen. Die beteiligten Partner sind die Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Regensburg, die Zahnklinik 1 - Zahnerhaltung und Parodontologie am Universitätsklinikum Erlangen, das Biotechnologie-Unternehmen Bio-Gate AG (Nürnberg), das staatlich akkreditierte Testinstitut für antimikrobielle Produkte QualityLabs BT GmbH (Nürnberg) und das international tätige Dentalunternehmen 3M Espe AG (Seefeld). Koordinator des Gesamtprojekts ist Dr. Dipl.-Ing. Martin Rosentritt am Universitätsklinikum Regensburg. Zum Projektstart informierten die Partner am Dienstag, 18. Mai 2010 in Nürnberg über ihr Vorhaben.

Das Teilprojekt in Regensburg "Silberpartikel zur mikrobiellen Anwendung" wird gemeinsam von PD Dr. Ralf Bürgers und Dr. Rosentritt aus der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik (Direktor Prof. Dr. Gerhard Handel) geleitet. In enger Zusammenarbeit der Projektpartner werden verschiedene Werkstoffe für Zahnprothesen und Füllungen hergestellt. Die Eigenschaften der Materialien werden anschließend untersucht und im Bio-Labor auf die gewünschte antimikrobielle Wirkung geprüft. Danach müssen sich die Werkstoffe in klinischen Studien bewähren. Ziel des Projekts ist es, bereits in zwei Jahren erste marktreife antibakterielle Zahnmaterialien vorweisen zu können.

Unterstützt und vermittelt wird die Zusammenarbeit der beteiligten Universitäten und Unternehmen von der Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA), Innovationsberatungsstelle Nordbayern, als Projektträger für das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Das Projekt mit Kosten in Höhe von rund 880.000 Euro wird mit rund 420.000 Euro über zwei Jahre durch das Bayerische Förderprogramm „Leitprojekte Medizintechnik“ über Landesmittel des Freistaates Bayern und mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Quelle: Universitätsklinikum Regensburg / IDW - 31.05.2010.

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Die Klinik für Kieferorthopädie und Orthodontie am Department für Zahnheilkunde des Universitätsklinikums Ulm nutzt dreidimensional aufbereitete Bilddaten für die Patientenbehandlung.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Und genau diese Erfahrung macht Prof. Dr. Franz-Günter Sander, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kieferorthopädie und Orthodontie, regelmäßig, wenn er Patienten den Rundumblick auf ihre Zähne zeigt. Die Patienten bekommen zunächst eine 3D-Brille aufgesetzt, die das räumliche Erkennen auch kleinster Details möglich macht. Auf einem Bildschirm am Behandlungsplatz kann jeder Zahn von allen Seiten betrachtet werden. Größe und Form, seine... mehr
Löcher im Zahn werden meist mit Kunststofffüllungen gestopft. Beim Aushärten schrumpft der zunächst weiche Kunststoff jedoch.
Durch die Spannung können Spalten zwischen Zahn und Füllung entstehen – neue Kariesherde. Forscher haben dies erstmals simuliert. Fest klammern sich die Hände des Patienten um die Sitzlehnen, während der Zahnarzt die von Karies befallenen Stellen des Zahns wegbohrt. Ist das Bohren erst überstanden, tritt bei den meisten Zahnwehgeplagten wieder ein wenig Entspannung ein: Nun muss der Arzt das Loch nur noch etwas anätzen, eine klebende Schicht aufbringen und mit einem Spezialkunststoff füllen... mehr
Um die Haftung bei Keramikzahnkronen zu verbessern, werden Mikrostrukturen auf der Innenfläche der Zahnkrone durch Laserbearbeitung angebracht.
Die Strukturierung der Kronen ist mit Bearbeitungsgeschwindigkeiten von mehreren Quadratmillimetern pro Minute realisierbar. Zahnkronen haben die unangenehme Eigenschaft, mit Vorliebe auf Reisen oder beim Abendessen heraus zu fallen. Damit dieses nicht mehr passiert, arbeitet das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) an der Steigerung der Haftung von Zahnkronen. Durch lasergenerierte Mikrostrukturen auf der Innenfläche von Zahnkronen aus Keramik wird eine "Verzahnung am Zahn" geschaffen... mehr
Wissenschaftler arbeiten an bionischem Super-Klebstoff.
Miesmuscheln sind für Feinschmecker ein Genuss. Uneingeschränkte Kaufreuden bis ins Alter könnten die Meerestiere jedoch auch auf eine ganz andere Art ermöglichen. Sie sind nämlich wahre Klebekünstler: Miesmuscheln haften mit Hilfe so genannter Byssusfäden auf Metall, Holz, Glas oder Knochen und halten so selbst der aggressiven Brandung der Nordsee stand. Sie scheiden aus einer Drüse Klebeproteine aus, die vielen technischen Klebern überlegen sind. Die Kleberproteine härten im Wasser aus... mehr
RSS
facebook
xing
twitter
linkedin

MaterialCards Weekly

Ihr persönlicher und kostenfreier Material-Reminder - wöchentlich per E-Mail

Service:
Material­cha­rak­teri­sierung und Werkstoffprüfung

Sie benötigen leistungsfähigste Methoden der Material­cha­rak­teri­sierung und Werk­stoff­prü­fung zur Optimierung Ihrer Produkte?
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Medizintechnische Untersuchungen
Gefüge-Analytik
Bruchmechanik
Charakterisierung von Coatings
Prüfung von Kunststoffen
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Untersuchung von Diffusionsschichten
Barriere-Eigenschaften
Charakterisierung von Fügetechnologien
Schadensanalyse von Bauteilen
Metallographie
Element-Mapping
Keramographie
Thermographie
Charakterisierung von Composites
Korrosionstests
Automotive Testing
Charakterisierung von Katalysatoren
Schadensanalyse von Produkten
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Medizintechnische Untersuchungen
Gefüge-Analytik
Bruchmechanik
Charakterisierung von Coatings
Prüfung von Kunststoffen
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Untersuchung von Diffusionsschichten
Barriere-Eigenschaften
Charakterisierung von Fügetechnologien
Schadensanalyse von Bauteilen
Metallographie
Element-Mapping
Keramographie
Thermographie
Charakterisierung von Composites
Korrosionstests
Automotive Testing
Charakterisierung von Katalysatoren
Schadensanalyse von Produkten
Kontaktieren Sie uns – Wir leiten Ihre Fragestellung an einen unserer Kooperationspartner weiter, die alle anerkannte und zertifizierte Prüf­la­bore mit modernster Ausstattung be­treiben.

Empfohlene Literatur

Kenneth E. Gonsalves
Wiley & Sons
Erich Wintermantel, Suk-Woo Ha
Springer, Berlin

Materialsgate Glossar

Biofilme
Biofilme entstehen im Allgemeinen in wässrigen Systemen und sind durch eine dünne Schleimschicht gekennzeichnet, in der sich Mikroorganismen (beispielsweise Bakterien, Algen oder Pilze) ansiedeln. Biofilme befinden sich in der Regel an der Wasseroberfläche oder an der Grenzfläche zu einer festen Phase.
Cluster
In den Materialwissenschaften bezeichnet ein Cluster einen Verbund von wenigen bis einigen tausend Atomen oder Molekülen. Cluster können somit als Übergang von einem Gas oder von einer Flüssigkeit zu einem Festkörper angesehen werden. Größere Cluster, deren Dimensionen in der Größenordnung von einigen Nanometern liegen, werden oft auch als Nanoteilchen bezeichnet.
Pd
Pd ist das Symbol für das chemische Element Palladium.