MMaterialNews vom 25.11.2009

Dem Schweiß auf der Spur

Hohenstein Institute optimieren Textilien in Bezug auf Geruch
Wer im Berufsleben Kleidung trägt, von der Körperschweiß aufsteigt, beraubt sich vermutlich selbst seiner Aufstiegschancen. Bestimmte Textilien nehmen Schweiß nun einmal besonders gerne auf und verteilen ihn im Umkreis von ein paar Metern in die Nasen unserer Mitmenschen - schlecht wenn das gerade der Chef ist. Grund genug, sich intensiv um die Geruchsoptimierung unserer Bekleidung zu kümmern. Um negative oder positive, von Textilien ausgehende Gerüche wissenschaftlich fundiert sensorisch zu beurteilen, sind sowohl umfangreiche instrumentelle Analysen als auch professionell trainierte menschliche Testriecher (Sniffer oder Panelists) erforderlich. Durch den weiteren Ausbau ihrer Geruchsanalytik sind die Hohenstein Institute dem Ziel, den Geruch von Bekleidung zu optimieren nun einen großen Schritt näher gekommen.

Hersteller von körpernah getragener Bekleidung (z. B. Sport- und Outdoor-Bekleidung, Unterwäsche oder Socken), Arbeitskleidung, Schutzkleidung und Heimtextilien sowie Schuhen und Schuheinlagen können nun mit Hilfe der Hohensteiner Geruchsanalytik gezielt an der Geruchs-Verbesserung ihrer Produkte arbeiten und Fasertypen, Konstruktionsmerkmale und spezielle Ausrüstungen aufeinander abstimmen. Hierzu betont Prof. Dr. Dirk Höfer, Leiter des Instituts für Hygiene und Biotechnologie, "dass sowohl der Neuzustand verschiedener Materialien untersucht werden kann als auch getragene, gewaschene oder künstlich beaufschlagte Materialien." Demzufolge sind die an den Hohenstein Instituten etablierten Verfahren also nicht nur für geruchsreduzierende (antibakterielle) oder Geruch abgebende Textilien (Wellness-Textilien) interessant, sondern z. B. auch für die Waschmittel- und Kosmetikindustrie, um eine genaue Analyse der Duftfreisetzung durchzuführen. Da Düfte neben Mikrokapsel-Ausrüstungen in der Regel über Waschverfahren auf Textilien aufziehen, können nun unabhängige Produktvergleiche und Auswirkungen verschiedener Waschverfahren auf den Textilgeruch beurteilt werden.

Bereits in der Vergangenheit haben die Hohenstein Institute antibakterielle Textilien, die den Schweißgeruch signifikant reduzieren, mit Hilfe einer bakteriellen Schweißsimulation und der GC/MS-Technologie im Labor überprüft und Unternehmen beim Nachweis dieser antimikrobiellen Wirkung marketingtechnisch unterstützt. Seit einigen Wochen sind die Wissenschaftler jetzt in der Lage, neben der chemischen Analyse bestimmter Geruchsmoleküle über GC/MS, auch textile Gerüche und Düfte gezielt mit Hilfe eines so genannten Olfaktometers einer Gruppe ausgebildeter Testriecher zuzuführen. Prüfpersonen und Gerät ermöglichen es, die Konzentration eines Geruchsstoffs, seine Intensität sowie seine positive/negative Beurteilung (hedonische Wirkung) exakt zu bestimmen (Abbildung 1). Nach wie vor kann also bei der Geruchsbewertung auf das "sensorische Panel" nicht verzichtet werden. Mitunter verwenden die Hohensteiner Wissenschaftler auch einen speziellen Riechprobengeber, der den Prüfpersonen einen standardisierten Volumenstrom der Geruchsluft in die Nasen leitet. Dies ist zum Beispiel in Feldversuchen wichtig, bei denen getragene Textilien im Rechts/Links-Vergleich hinsichtlich des Schweißgeruchs verglichen werden. Um Geruchsproben direkt am Entstehungsort nehmen zu können, wird ein spezieller Riechprobennehmer benutzt. Er kommt zum Einsatz, um beispielsweise negative Gerüche einer Warenproduktion vor Ort oder am Arbeitsplatz (z. B. in der Gastronomie) einzufangen und im Labor zu untersuchen, so dass man teuren Kundenreklamationen vorbeugen kann.
Den direkten Auswirkungen von Sportbekleidung auf den Schweißgeruch und die Hautphysiologie des Menschen ist das Institut für Hygiene und Biotechnologie in Praxisversuchen näher nachgegangen. Zunächst wurden Sportler mit unterschiedlichen Sportshirts ausgestattet, deren Wasserdampfdurchlässigkeit ("Atmungsaktivität") mit den in Hohenstein entwickelten Messmethoden nach DIN EN 31092 bzw. ISO 11092 bestimmt wurde. So ausgerüstet unterzogen sich die Probanden einer standardisierten, intensiven Trainingseinheit. Direkt im Anschluss wurde die thermoregulatorische Mikrozirkulation der Haut mit Hilfe einer Wärmebildkamera (Thermografie) aufgenommen.

Abbildung 2 zeigt die Auswirkungen eines Sportshirts aus Baumwolle (links) im Vergleich zu einem Sportshirt mit hoher Atmungsaktivität (Funktionsfasern) kurz nach der sportlichen Betätigung. Zu erkennen ist einerseits die verstärkte thermoregulatorische Mikrozirkulation der Haut und die Wärmeverteilung, welche durch die jeweiligen Faser- und Konstruktionsmerkmale der Textilien beeinflusst werden. Diese Daten wurden nun mit Hautuntersuchungen zum physiologischen Mikroklima korreliert (Abbildung 3). So lag der Feuchteindex des Mikroklimas in der Achselhöhle vor der sportlichen Betätigung bei Werten um 60, während er nach sportlicher Aktivität und entsprechender Schweißproduktion beim Versuch mit dem Baumwoll-Shirt deutlich über 100 stieg. Die unterschiedliche Schweißproduktion in den Achselhöhlen spiegelte sich auch in der Geruchsintensität des Schweißes wider: Die in die Achselhöhlen der Sportler eingebrachten Baumwoll-Textilläppchen wurden von den Testriechern am Olfaktometer als deutlich intensiver und (hedonisch) negativer beurteilt als Textilproben aus Funktionsfasern.

Quelle: Hohenstein Institute - 24.11.2009.

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
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