MMaterialNews vom 21.09.2009

Neues Nanomaterial tötet antibiotikaresistente Bakterien

Ein münstersches Forscherteam hat ein bislang einzigartiges Nanomaterial entwickelt, das antibiotikaresistente Bakterien abtötet.
An der Arbeit beteiligt waren Forscher der Universität Münster und des CeNTech ("Center for NanoTechnology") - Chemiker um Prof. Dr. Luisa De Cola und Biologen um Prof. Dr. Berenike Maier. "Unsere Ergebnisse sind eine Premiere. Wir haben erstmals gezeigt, dass es möglich ist, Nanopartikel mit folgenden drei Funktionen auszustatten: Die Partikel heften sich gezielt an Bakterien an, markieren sie und töten sie schließlich ab", sagt Dr. Cristian Strassert vom Physikalischen Institut der WWU, der an der Studie federführend mitgewirkt hat.

Als Ausgangsmaterial verwenden die Forscher so genannte Zeolith-L-Nanokristalle. In einem einfachen und kostengünstigen Verfahren werden diese Nanopartikel mit einer Komponente versehen, durch die eine Anheftung der Partikel an die Bakterienoberfläche ermöglicht wird. Zusätzlich werden die Partikel mit einem Farbstoff ausgestattet, der unter dem Fluoreszenzmikroskop grün leuchtet und die Bakterien sichtbar macht.

Die Wirksamkeit der Nanopartikel beruht auf der Methode der "photodynamischen Therapie": Bei Bestrahlung mit Licht wird eine Reaktion in Gang gesetzt, durch die die Bakterienzellen abgetötet werden. Dazu heften die Forscher einen dritten Stoff an die Nanokristalle an, der durch rotes Licht aktiviert wird und bestimmte aggressive Sauerstoff-Moleküle erzeugt. Diese Sauerstoff-Moleküle - "Singulett-Sauerstoff" - starten eine Reaktionskette, welche die Bakterienzelle zerstört.

Bislang heften sich die neuen Nanopartikel über elektrostatische Wechselwirkung an Bakterienarten mit bestimmten Oberflächeneigenschaften ("Gram-negativ") an. Die Forscher arbeiten nun daran an, die Bindung auch an andere Bakterienarten zu ermöglichen und die Bindungsspezifität zu erhöhen. Dann könnte die Methode in Zukunft gezielt eingesetzt werden, um bestimmte Bakterien bei lokalisierten Erkrankungen zu bekämpfen.

"Darüber hinaus überlegen wir, ob die Methode nicht nur bei der Bekämpfung antibiotikaresistenter Bakterien eingesetzt werden könnte, sondern auch bei der Behandlung von Hautkrebs", so Strassert. Dazu wollen die Wissenschaftler die Nanopartikel dazu bringen, gezielt an Krebszellen zu binden. "Falls das klappt, wäre es denkbar, dass die Nanopartikel in Zukunft in einer Creme auf die Haut aufgetragen werden könnten", beschreibt Strassert seine Vision. "Durch Beleuchtung könnten die Partikel dann aktiviert und die Krebszellen zerstört werden."

Quelle: Westfaelische Wilhelms-Universität Münster / IDW - 18.09.2009.

Literatur:

Strassert C.A. et al. (2009): Photoactive Hybrid Nanomaterial for Targeting, Labeling, and Killing, Antibiotic-Resistant Bacteria; Angew. Chem. Int. Ed. 48, 1-5 - DOI: 10.1002/anie.200902837

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Neues Wirkprinzip für antimikrobielle Textilprodukte
Im Rahmen eines Forschungsvorhabens hat das Institut für Hygiene und Biotechnologie (IHB) an den Hohenstein Instituten erstmals einen Textilstoff entwickelt, der Gase mit medizinischer Wirkung für künftige therapeutische Anwendungen freisetzen kann. Der erarbeitete Prototyp des Textils besteht aus Baumwoll-Fasern, die auf Grundlage der Nanosol-Technik mit Siliziumoxid-Partikeln veredelt wurden. In diese Matrix eingebunden ist eine Substanz, die als Spender für Stickstoffmonoxid (auch bekannt... mehr
+ + + Erster antimikrobieller BASF-Kunststoff + + + Das neue Luran® S BX 13042 tötet Bakterien ab + + +
Die BASF bietet seit kurzem einen Kunststoff an, der die Eigenschaft besitzt Mikroben abzutöten. Der Werkstoff gehört zu den Spezialitäten im Styrolkunststoffsortiment, heißt Luran® S BX 13042 und ist das zur Zeit einzige ASA (Acrylnitril-Styrol-Acrylester-Polymer) mit antimikrobieller Funktion. Das Material wird erstmals auf der FAKUMA 2008 im Oktober in Friedrichshafen vorgestellt und ist bereits in Mustermengen in der Farbe weiß verfügbar. Der antimikrobielle Werkstoff enthält Silberverbindungen... mehr
Manchmal kann Altbewährtes auch innovativ sein: Kupfer galt schon in der griechischen Antike als stark antimikrobiell.
Diese Fähigkeit spielt jetzt beim Kampf gegen gefährliche Krankenhauskeime eine zentrale Rolle. In einem weltweit beachteten Feldversuch wurde in der Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg eine komplette Krankenhausstation mit Türgriffen, Türplatten und Lichtschaltern aus Kupfer ausgestattet. Denn die Keime werden nicht nur von Hand zu Hand, sondern in vielen Fällen auch über das Berühren von Klinken und Schaltern übertragen. Derzeit werten Wissenschaftler der Universität Halle-Wittenberg... mehr
von Autotype bietet Schutz für Oberflächen in Krankenhäusern.
MacDermid Autotype, einer der weltweit führenden Entwickler und Hersteller von präzisionsbeschichteten Folien, hat eine hartbeschichtete Polyesterfolie auf den Markt gebracht, die speziell dafür entwickelt wurde, einen antimikrobiellen Schutz für Oberflächen in Krankenhäusern zu bieten. Die neue Folie, SIGMAGraF Shield AM genannt, vereinigt die antimikrobielle Microban®-Technologie mit einem industriell einsetzbaren Schutz vor Lösungsmitteln und chemischen Reinigern. Darüber hinaus bietet... mehr
Antimikrobielle Materialien sind mittlerweile in vielen hygienerelevanten Lebensbereichen im Einsatz: Spezialbeschichtungen in Kühlschränken, keimreduzierende OP-Textilien oder antimikrobielle Oberflächen in Lebensmittelbetrieben sind nur einige Beispiele.
Der Begriff antimikrobielle Wirksamkeit umfasst dabei alle Wirkprinzipien, mit denen das Wachstum von Keimen gehemmt, einer mikrobiellen Besiedelung entgegen gewirkt wird oder Mikroorganismen abgetötet werden. Im Falle von antimikrobiellen Oberflächen ist diese Wirkung immer auf die Materialoberfläche begrenzt, deren massenhafte Besiedelung mit Keimen verhindert werden soll. Eine Erweiterung der antimikrobiellen Wirkung auf sich darauf befindende Gegenstände ist dagegen auszuschließen, da... mehr
RSS
facebook
xing
twitter
linkedin

MaterialCards Weekly

Ihr persönlicher und kostenfreier Material-Reminder - wöchentlich per E-Mail

Service:
Material­cha­rak­teri­sierung und Werkstoffprüfung

Sie benötigen leistungsfähigste Methoden der Material­cha­rak­teri­sierung und Werk­stoff­prü­fung zur Optimierung Ihrer Produkte?
Charakterisierung von Fügetechnologien
Korrosionstests
Charakterisierung von Coatings
Barriere-Eigenschaften
Charakterisierung von Composites
Thermographie
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Medizintechnische Untersuchungen
Prüfung von Kunststoffen
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Keramographie
Schadensanalyse von Bauteilen
Schadensanalyse von Produkten
Automotive Testing
Untersuchung von Diffusionsschichten
Bruchmechanik
Element-Mapping
Metallographie
Charakterisierung von Katalysatoren
Gefüge-Analytik
Charakterisierung von Fügetechnologien
Korrosionstests
Charakterisierung von Coatings
Barriere-Eigenschaften
Charakterisierung von Composites
Thermographie
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Medizintechnische Untersuchungen
Prüfung von Kunststoffen
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Keramographie
Schadensanalyse von Bauteilen
Schadensanalyse von Produkten
Automotive Testing
Untersuchung von Diffusionsschichten
Bruchmechanik
Element-Mapping
Metallographie
Charakterisierung von Katalysatoren
Gefüge-Analytik
Kontaktieren Sie uns – Wir leiten Ihre Fragestellung an einen unserer Kooperationspartner weiter, die alle anerkannte und zertifizierte Prüf­la­bore mit modernster Ausstattung be­treiben.

Empfohlene Literatur

Challa Kumar
Wiley-VCH
Richard D. Booker
Wiley-Vch Dummies
Kenneth E. Gonsalves
Wiley & Sons
Günter Schmid
Wiley Vch Verlag Gmbh

Empfohlene MaterialCards

Materialsgate Glossar

Nanopartikel
Unter einem Nanopartikel versteht man den Verbund von einigen wenigen bis mehreren tausend Atomen oder Molekülen. Der Begriff bezieht sich auf die Größe der resultierenden Teilchen, die typischerweise zwischen 1 und 100 Nanometern liegt.
Partikel
Als Partikel werden kleine Festkörperteilchen bezeichnet. Partikel sind typischerweise die festen Bestandteile von dispersen Systemen wie Aerosolen und Suspensionen.