MMaterialNews vom 21.09.2009

Panels putzen mit dem Roboter-Gecko

Künftig helfen Roboter bei der Reinigung von Solarpanels. Ein besonders interessanter Vertreter dieser neuen Putz-Zunft ist der Gekko der Serbot AG.
Dass er auf den geneigten Panels nicht den Halt verliert, verdankt er seinen speziellen Saugfüßen. In ihrem Innenleben: zahlreiche Komponenten und Engineering Know-how von Festo.

Solarmodul-Reinigung wird im Zeitalter der großen Freiflächenanlagen immer wichtiger. Schließlich bedeutet hier ein um wenige Prozent geringerer Wirkungsgrad beträchtliche finanzielle Einbußen für den Betreiber. Also gilt es, die großen Photovoltaik(PV)-Flächen regelmäßig von Rückständen aus der Natur zu befreien. Bislang eine Strafarbeit, erledigt von Spezialfirmen, die ihre Mitarbeiter unter hoher Gefährdung meist nachts auf die schiefe Ebene schickten um von Hand hartnäckige Schmutzschichten auf der Oberfläche der Photovoltaik-Module zu entfernen.

Putz-Roboter erleichtern Reinigung

Spezielle Putz-Roboter könnten hier bald in großem Stil Abhilfe schaffen. Sie laufen selbstständig über die PV-Flächen ganzer Solarfelder und waschen Blätter, Pollen, Sand und Staub von Paneloberflächen und Rahmen. Eine besonders interessante Neuentwicklung ist die Roboterfamilie Gekko des Schweizer Unternehmens Serbot AG. Diese kreisrunden Trägereinheiten können mit unterschiedlichsten Putzaufsätzen wie Bürsten und Wischern ausgerüstet werden, um die empfindlichen PV-Module effizient und zugleich schonend zu reinigen.

Die Engineering-Herausforderung bei diesen Robotern bestand darin, die Fortbewegung der Trägereinheiten auf den geneigten Solarmodulflächen zu bewerkstelligen. Hier warten die Entwickler von Serbot mit einer hoch innovativen Lösung auf. Die Gekko-Roboter verfügen über 20 Saugfüße, die an zwei über eine Brücke verbundenen nierenförmigen Trägergestellen angebracht sind. Die Sauger geben der kleinen Putzfee Halt, die Fortbewegung des Gerätes verlangt jedoch nach weiteren cleveren Ideen.

Gehen wie ein Gecko

Die Füße sind an zwei um die „Nieren“ umlaufenden Ketten befestigt, so dass sich der Roboter wie ein Kettenfahrzeug fortbewegen kann. Die beiden Kettenlaufwerke sind gegensinnig angeordnet und eine Vorwärtsbewegung wird erreicht, indem in einer Kettenlaufrichtung die Sauger aktiv sind, während der Rücklauf mit angehobenen Saugern bewerkstelligt wird.

So kann der kleine Roboter ganze Reihen von Solarpanels putzend entlang schreiten. Die Übergänge zwischen einzelnen Modulen schafft er dabei alleine. Er erkennt auch, wenn er an eine Stelle gelangt ist, an der es für ihn nicht mehr weitergeht. Findet ein Fuß beim Absetzen keinen Halt, d.h. kann der Roboter nicht innerhalb von zwei Sekunden ein Vakuum aufbauen, zieht er sich wieder zurück. Kommt der zweite und dritte Fuß auch nicht auf geeignetem Grund auf, erhält die Steuerung die Meldung, dass ein komplett anderer Weg gesucht werden muss. Dieser wird dann vom Operator per Joystick vorgegeben und gespeichert.

Spezielle Saugfüße

Ein weiteres konstruktives Highlight der kleinen Putz-Roboter sind die Vakuumsaugfüße. Diese konnten in enger Zusammenarbeit von Festo und Serbot durch die Serbot-Entwickler so optimiert werden, dass kein permanentes Vakuum mehr erzeugt werden muss. In den tragenden Füßen wird nur noch für etwa zwei Sekunden gesaugt, das entstehende Vakuum bleibt dann erhalten, bis die einzelnen Unterdruck-Zonen mechanisch wieder aufgelöst werden. Dadurch wurde der Druckluftverbrauch der Saugfüße um mehr als die Hälfte reduziert. Besonders bemerkenswert an der von Gabriel Strebel bei Serbot entwickelten Innovation sind die erzielte Kompaktheit und die hohe Funktionsintegration.

Strebel zu den Details: „Wir haben unten im Fuß eine speziell konstruierte Dichtlippe eingebaut. Die saugen wir dann wie einen Rock hoch, damit wir das Vakuum erzeugen können. Wenn die Venturi-Düse nicht mehr zieht, dichtet die Dichtlippe das Vakuum ab. Wieder aufgehoben wird das Vakuum mechanisch über verschiedene, integrierte Kolbensysteme.“

Passende Komponenten

Ein zentrales Problem der Schweizer Tüftler war es, passende Komponenten und Subsysteme für ihre Innovation zu bekommen. Viele Bauteile mussten sehr klein sein und natürlich war das Gewicht ein entscheidendes Thema. Schließlich muss jedes Gramm, das der Roboter auf die Waage bringt, vom Vakuum gehalten werden. Im breitgefächerten Produktprogramm von Festo wurden die Entwickler bei Serbot fündig. Allerdings kommen beim Gekko-System nicht etwa Standard-Produkte zum Einsatz. Gefragt waren vielmehr einzelne – meist besonders kleine – Elemente aus größeren Bauteilen. Festo Fachberater unterstützten die „Gekko-Väter“ bei ihrer Auswahl.

Dazu Paolo Parró von Festo Schweiz: „Bemerkenswert ist, dass die Entwickler von Serbot unser Produktprogramm sehr speziell nutzen. Sie verwenden Bauteile oder Elemente von Bauteilen auf eine Art und Weise, die nicht der üblichen Funktion des Teils entspricht. Das macht die Zusammenarbeit mit Serbot für mich zu einer besonderen Herausforderung und den Saugfuß einzigartig.“ Konkret werden in den Saugfüßen der neuen Photovoltaik-Applikation der Gekko-Produktfamilie Festo Vakuumsaugdüsen der Baureihe VN, Miniatur-Schnellschaltventile MH-1 sowie VOVG-Wegeventile eingesetzt. In jedem Fuß stecken insgesamt elf Festo Komponenten.

Wachstumskurs bei Serbot

Die Unterstützung durch Festo beschränkte sich allerdings nicht auf die Komponentenauswahl. Anton Niederberger, Managingdirector der Niederberger-Engineering AG, einem der Partnerunternehmen der Serbot AG: „Festo hat uns über Simulationen und spezielle Untersuchungen weitergeholfen. So konnten wir sicherstellen, mit der optimalen Saugerlösung und der optimalen Pneumatik auf den Markt zu gehen. Und in Zukunft werden die Solarparks mit unserer Robotertechnik nicht nur effizient gereinigt, sondern auch automatisch aufgebaut.“

Mit seinen innovativen Engineering-Lösungen befindet sich das Unternehmen Serbot klar auf Wachstumskurs. Die Zunahme der großen Solarparks, vor allem auch in Gebieten mit besonderen Verunreinigungsproblemen, steigert die Nachfrage nach effizienten Reinigungslösungen. Wahrscheinlich ist, dass auf vielen dieser neuen Großkraftwerke Gekkos von Serbot umher klettern werden – damit noch mehr Strom aus alternativen Energiequellen ins Leitungsnetz eingespeist werden kann.

Quelle: Festo – 17.09.2009.

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Am Fraunhofer IPA wurde ein neuartiger Roboter entwickelt und in Betrieb genommen. Er basiert auf Seilen, die durch mehrere Winden angetrieben werden und einen Endeffektor im Raum bewegen.
Die neue Roboterkinematik erlaubt eine freie und voll kontrollierbare Bewegung. Der Hauptvorteil des Roboters besteht in der Nutzung der Seilwinden als Antriebssystem: Diese Module sind kostengünstige und gut etablierte Bauelemente. Dabei können sie große Kräfte erzeugen und nahezu verlustfrei über weite Strecken auf eine Plattform übertragen, die dadurch hochdynamisch bewegt werden kann. Weiterhin erlaubt der extreme Leichtbau des Robotersystems sehr große Abmessungen des Arbeitsraums bei... mehr
Bohrinseln oder Unterwasserkabel warten, Sedimentproben entnehmen – Unterwasserroboter erfüllen in der Tiefsee vielerlei Aufgaben. Forscher wollen den Robotern nun zu einem Tastsinn verhelfen. So können die Geräte sich in der Tiefsee besser orientieren.
Der Roboter taucht ins Wasser, schwimmt zur Tiefseeleitung und führt die notwendigen Reparaturen durch. Gesteuert wird er von einem Mitarbeiter. Keine einfache Aufgabe: Es ist stockdunkel, eine Lampe auf dem Roboter hilft nur bedingt. Zudem treibt die Strömung den Roboter immer wieder ein wenig ab. Künftig könnte der Roboter seinen Weg selbst finden: Ein Sensor verleiht dem metallischen Gehilfen »Tastsinn« und hilft ihm, seine Umgebung auch in der Tiefsee autonom zu erfassen. »Ein Bauteil... mehr
+ + + Auszeichnung für bionischen Roboterarm "BioRob" + + + Präsentation auf der Hannovermesse + + +
Der einem menschlichen Arm nachempfundene bionische Roboterarm "BioRob" der TU Darmstadt ist jetzt auf der internationalen Robotik-Tagung EURON in Leuven mit dem "EURON/EUnited Robotics Technology Transfer Award" ausgezeichnet worden. Der BioRob wurde vom Fachgebiet Simulation, Systemoptimierung und Robotik im Fachbereich Informatik der TU zusammen mit der TETRA GmbH Ilmenau speziell für die Bedürfnisse in kleinen und mittleren Unternehmen entwickelt. Im Gegensatz zu den... mehr
Ein Bienenvolk und jede Menge Robotik: Mit einer Kombination von Tier und Technik wollen Forscher der Universität Würzburg ein Instrument schaffen, mit dem sich die Umwelt günstig und großflächig überwachen lässt. Die EU fördert das Projekt mit 500.000 Euro.
Was haben ein Bienenvolk und ein Roboter gemeinsam? Beide sind höchst komplexe Systeme. Und was kommt dabei heraus, wenn man diese Systeme miteinander kombiniert? Möglicherweise ein "Biosensornetz zum großflächigen Umweltmonitoring". So lautet der Name eines neuen Forschungsprojekts an der Universität Würzburg, an dem die Bienenforscher um Professor Jürgen Tautz und die Roboterspezialisten um Professor Klaus Schilling seit dem 1. März arbeiten. Ziel soll es unter anderem sein, mit... mehr
RSS
facebook
xing
twitter
linkedin

MaterialCards Weekly

Ihr persönlicher und kostenfreier Material-Reminder - wöchentlich per E-Mail

Service:
Material­cha­rak­teri­sierung und Werkstoffprüfung

Sie benötigen leistungsfähigste Methoden der Material­cha­rak­teri­sierung und Werk­stoff­prü­fung zur Optimierung Ihrer Produkte?
Schadensanalyse von Produkten
Schadensanalyse von Bauteilen
Element-Mapping
Charakterisierung von Katalysatoren
Prüfung von Kunststoffen
Bruchmechanik
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Charakterisierung von Coatings
Metallographie
Gefüge-Analytik
Charakterisierung von Fügetechnologien
Keramographie
Korrosionstests
Thermographie
Charakterisierung von Composites
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Untersuchung von Diffusionsschichten
Medizintechnische Untersuchungen
Automotive Testing
Barriere-Eigenschaften
Schadensanalyse von Produkten
Schadensanalyse von Bauteilen
Element-Mapping
Charakterisierung von Katalysatoren
Prüfung von Kunststoffen
Bruchmechanik
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Charakterisierung von Coatings
Metallographie
Gefüge-Analytik
Charakterisierung von Fügetechnologien
Keramographie
Korrosionstests
Thermographie
Charakterisierung von Composites
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Untersuchung von Diffusionsschichten
Medizintechnische Untersuchungen
Automotive Testing
Barriere-Eigenschaften
Kontaktieren Sie uns – Wir leiten Ihre Fragestellung an einen unserer Kooperationspartner weiter, die alle anerkannte und zertifizierte Prüf­la­bore mit modernster Ausstattung be­treiben.

Empfohlene Literatur

William McDonough et al.
North Point Press
Antonia B. Kesel
Fischer

Empfohlene MaterialCards

Materialsgate Glossar

Lösung
Als Lösungen werden in den Naturwissenschaften homogene (d. h. einphasige) Stoffsysteme bezeichnet, die aus mindestens zwei chemisch reinen Stoffen aufgebaut sind. Eine Lösung enthält einen oder mehrere gelöste Stoffe und ein Lösungsmittel.
Oberfläche
Unter einer Oberfläche versteht man die Fläche zwischen einer festen und einer gasförmigen Phase.
Photovoltaik
Die Photovoltaik beinhaltet technologische Anwendungen, die sich mit der direkten Umwandlung von Strahlungsenergie - insbesondere Sonnenenergie - in elektrische Energie befassen.
Vakuum
Als Vakuum wird der Zustand eines Gases bei einem Druck bezeichnet, der deutlich niedriger ist als der Atmosphärendruck bei Normalbedingungen.
Wirkungsgrad
Der Wirkungsgrad beschreibt in den Prozessen der Energiewandlung und Energieübertragung das Verhältnis von abgegebener Leistung zu zugeführter Leistung. Er wird mit dem griechischen Buchstaben Eta gekennzeichnet. Der Wirkungsgrad ist eine dimensionslose Größe und kann Werte zwischen 0 und 1 bzw. zwischen 0 und 100 % annehmen.