MMaterialNews vom 14.08.2009

Schweißfüße ade!

Objektives Bewertungssystem für den Geruch von Fußschweiß entwickelt
Der erste Schritt die Bildung unangenehmen Fußgeruch zu verhindern, ist dessen Ursachen auf den Grund zu gehen. Mit einem objektiven sensorischen Bewertungssystem für Schweißgeruch sind Wissenschaftler der Hohenstein Institute, des Prüf- und Forschungsinstituts (PFI) und des Lehrstuhls für Messtechnik der Universität des Saarlandes diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen.

Denn die Geruchsbildung durch eine bakterielle Schweißzersetzung ist nicht allein vom Träger abhängig, sondern insbesondere auch von den Konstruktionsmerkmalen der Schuhe (z.B. Ober- bzw. Sohlenmaterial) und Strümpfe (z.B. Fasermaterial). Bisher ist eine Produktentwicklung hinsichtlich sensorischer Eigenschaften allein im Trial and Error-Verfahren und mit Hilfe aufwändiger Tests mit Probanden möglich. Mit dem im Rahmen des Forschungsvorhabens AiF-Nr. 201 ZN entwickelten objektiven Bewertungssystem für die sensorische Beurteilung des Schweißgeruches können Kundenreklamationen und in der Folge notwendige teure Neukonstruktionen künftig vermieden werden.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden von Probanden verschiedene Kombinationen aus Schuhen und Strümpfen unter realistischen Bedingungen getragen, um damit echten Schweißgeruch zu generieren. Parallel zueinander wurde dieser über den Versuchszeitraum hinweg objektiv mit Hilfe der "Elektronischen Nase" und subjektiv durch ein "sensorisches Panel" (menschliche Testriecher) beurteilt.

In der sogenannten "Elektronischen Nase" reagieren verschiedene Halbleiter-gassensoren auf flüchtige Substanzen, wie sie bei der bakteriellen Schweißzersetzung entstehen. Durch deren Ein- bzw. Anlagerung an die Sensorbeschichtungen ändern diese ihre Leitfähigkeit, wodurch ein Messsignal generiert wird. Die menschlichen Testriecher zeichnen sich durch einen besonders feinen und gut differenzierten Geruchssinn aus.

Ziel des Forschungsvorhabens war es, die Sensormessdaten mit der subjektiven Geruchsbewertung durch das "sensorische Panel" zu korrelieren, d. h.aufeinander zu beziehen. Damit kann auf eine solche subjektive Geruchsbewertung in Zukunft verzichtet und der Schweißgeruch allein durch Messungen mit der "Elektronischen Nase" quantitativ beurteilt werden. Dadurch werden bei der Produktentwicklung von Schuhen und Strümpfen Zeit und Kosten eingespart.

Das Forschungsvorhaben hat gezeigt, dass eine Korrelation beider Datensätze mit Hilfe komplexer mathematischer und statistischer Verfahren (z.B. Lineare Diskriminanzanalyse) prinzipiell möglich ist. Die mit dem bis dato vorliegenden Datenumfang erreichbare Genauigkeit dieser Korrelation ist jedoch noch nicht ausreichend hoch, um derzeit bei der Geruchsbewertung auf das "sensorische Panel" vollständig verzichten zu können. Dieses Ziel kann aber durch weiterführende Messungen mit der "Elektronischen Nase" sowie einer Optimierung der Sensordatenauswertung erreicht werden.

Eine Anwendung des entwickelten Messprinzips auf weitere Bekleidungstextilie (z.B. T-Shirts, Unterwäsche, Hemden, Blusen) ist möglich. Derartige Studien sind als Nachfolgeprojekte vorgesehen.

Quelle: Hohenstein Institute - 13.08.2009.

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Mit dem Thema "Textile Geruchswelt - Gerüche vermeiden & aktiv gestalten" befasste sich das 4. Hohensteiner Fachsymposium am 23. Juni 2009 in Bönnigheim.
Über 30 Firmenvertreter aus verschiedenen Branchen wie der Textil-, Automobil oder Waschmittelindustrie nahmen an der von den Hohenstein Instituten durchgeführten Veranstaltung teil. Durch das Vortragsprogramm führte Prof. Dr. Dirk Höfer, Leiter des Instituts für Hygiene und Biotechnologie (IHB) an den Hohenstein Instituten. Das Duftmarketing, die aktive Gestaltung der Umgebung mit Düften, ist eine neue effektive Möglichkeit, die Sinne des Kunden anzusprechen, ihn positiv zu stimmen und... mehr
Hohensteiner Institute präsentieren neuen Forschungsschwerpunkt
Dank der engen interdisziplinären Zusammenarbeit von Textilchemikern und Humanbiologen verfügen die Experten der Hohensteiner Institute, Bönnigheim, erstmals über ein innovatives Analyseverfahren, mit dessen Hilfe sich Geruchsmoleküle qualitativ charakterisieren lassen. Das neue Forschungsgebiet verspricht vor allem für die Entwicklung von Bekleidungs- und Heimtextilien sowie von technischen, medizinischen und Wellnesstextilien interessante Erkenntnisse, da sich in diesem Zusammen-hang auftretende... mehr
Max-Planck-Forscher betten Geruchsrezeptoren in künstliche Membranen ein.
Eine künstliche Nase wäre manchmal eine Hilfe: Solch ein Biosensor könnte Gifte, Sprengstoff oder Drogen erschnuppern. Nun haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung und des Max-Planck-Instituts für Biochemie eine Bauanleitung vorgelegt, wie sich Membranproteine in künstliche Strukturen einbetten lassen. Membranproteine übernehmen in Zellen vielfältige und wichtige Aufgaben. Unter anderem dienen sie als Rezeptoren, die Signale etwa von Molekülen in der Luft in das Zellinnere... mehr
Broschüre informiert über Emissionen aus Bauprodukten.
Die eigenen vier Wände farbig streichen, Laminat oder einen flauschigen Teppich verlegen. Renovieren macht Spaß und die Wohnung schöner. Doch nicht selten enthalten Bauprodukte - wie Fugendichtstoffe, Lacke und Farben - gefährliche Stoffe. Da die meisten Menschen in Deutschland rund 20 Stunden täglich in geschlossenen Räumen verbringen, ist gesunde Innenraumluft sehr wichtig. Bei geruchsintensiven Stoffen lassen sich die Belastungen einfach feststellen und starkes Lüften kann vorübergehend... mehr
RSS
facebook
xing
twitter
linkedin

MaterialCards Weekly

Ihr persönlicher und kostenfreier Material-Reminder - wöchentlich per E-Mail

Service:
Material­cha­rak­teri­sierung und Werkstoffprüfung

Sie benötigen leistungsfähigste Methoden der Material­cha­rak­teri­sierung und Werk­stoff­prü­fung zur Optimierung Ihrer Produkte?
Barriere-Eigenschaften
Untersuchung von Diffusionsschichten
Keramographie
Bruchmechanik
Korrosionstests
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Charakterisierung von Fügetechnologien
Element-Mapping
Charakterisierung von Coatings
Charakterisierung von Katalysatoren
Charakterisierung von Composites
Medizintechnische Untersuchungen
Schadensanalyse von Bauteilen
Automotive Testing
Prüfung von Kunststoffen
Thermographie
Metallographie
Gefüge-Analytik
Schadensanalyse von Produkten
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Barriere-Eigenschaften
Untersuchung von Diffusionsschichten
Keramographie
Bruchmechanik
Korrosionstests
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Charakterisierung von Fügetechnologien
Element-Mapping
Charakterisierung von Coatings
Charakterisierung von Katalysatoren
Charakterisierung von Composites
Medizintechnische Untersuchungen
Schadensanalyse von Bauteilen
Automotive Testing
Prüfung von Kunststoffen
Thermographie
Metallographie
Gefüge-Analytik
Schadensanalyse von Produkten
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Kontaktieren Sie uns – Wir leiten Ihre Fragestellung an einen unserer Kooperationspartner weiter, die alle anerkannte und zertifizierte Prüf­la­bore mit modernster Ausstattung be­treiben.

Materialsgate Glossar

Halbleiter
Halbleiter sind Festkörper (Elemente oder Verbindungen), die hinsichtlich ihrer elektrischen Leitfähigkeit sowohl als Leiter als auch als Nichtleiter betrachtet werden können. Die Zunahme der elektrischen Leitfähigkeit mit steigender Temperatur ist charakteristisch für Halbleitermaterialien.