MMaterialNews vom 06.07.2009

4. Hohensteiner Fachsymposium: Textile Geruchswelt - Gerüche vermeiden & aktiv gestalten

Mit dem Thema "Textile Geruchswelt - Gerüche vermeiden & aktiv gestalten" befasste sich das 4. Hohensteiner Fachsymposium am 23. Juni 2009 in Bönnigheim.
Über 30 Firmenvertreter aus verschiedenen Branchen wie der Textil-, Automobil oder Waschmittelindustrie nahmen an der von den Hohenstein Instituten durchgeführten Veranstaltung teil. Durch das Vortragsprogramm führte Prof. Dr. Dirk Höfer, Leiter des Instituts für Hygiene und Biotechnologie (IHB) an den Hohenstein Instituten.

Das Duftmarketing, die aktive Gestaltung der Umgebung mit Düften, ist eine neue effektive Möglichkeit, die Sinne des Kunden anzusprechen, ihn positiv zu stimmen und damit sein Kaufverhalten zu beeinflussen. Auch das Vermeiden von negativen Gerüchen ist ein wichtiger Aspekt, der zum Wohlbefinden des Menschen beiträgt.

Einen Überblick über die Anwendung von Riechstoffen im Textilbereich bot Dr. Jörn Wiedemann vom Duftstoffhersteller Symrise zu Beginn der ersten Vortragssektion, die sich mit duftenden Textilien auseinandersetzte.

Verschiedene Aspekte der Nutzung von Textilien als Instrumente für Geruchsdesign und Duftmarketing zeigte Prof. Dr. Dirk Höfer auf. Käfigmolekühle (Cyclodextrine) und Mikrokapseln haben ihre Praxistauglichkeit für die dauerhafte Beduftung von Textilien u. a. in Untersuchungen der Hohenstein Institute bewiesen, gleichzeitig wurden Testmethoden entwickelt bzw. adaptiert, mit denen sich die gesundheitliche Unbedenklichkeit der verschiedenen Textilausrüstungen belegen lässt.

Dr. Dagmar Preis-Amberger vom Waschmittelhersteller Henkel erläuterte in ihrem Vortrag die einzelnen Schritte bei der Entwicklung eines Spezialwaschmittels für Menschen mit empfindlicher Haut auf. Dessen Anspruch auf besondere Verträglichkeit sollte auch durch einen entsprechenden "sensitiven" Geruch ausgedrückt werden.

Prinzipien und Erfahrungen mit verkapselten Skintex-Duftstoffen für Textilien standen im Mittelpunkt des Vortrages von Raymond Mathis vom Hersteller für Spezialchemikalien. Durch die Mikroverkapselung ist eine langfristige und waschbeständige Beduftung von Textilien möglich.

Den Geruchsmikrokosmos Automobil und Strategien zur Geruchsreduzierung stellte Siegfried Rothe von Daimler in den Mittelpunkt seiner Präsentation. Bei der Beurteilung des Fahrzeuginnenraumes spielt neben visuellen und haptischen Eindrücken die olfaktorische Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. In der Entwicklung befindet sich ein situationsbedingtes Duftmanagement, bei dem durch das Einleiten bestimmter Düfte in den Innenraum Reaktionen beim Fahrer verursacht werden sollen. So könnten aktivierende Substanzen wie Menthol die Gefahr des Einschlafens während der Fahrt reduzieren oder Kaffeeduft indirekt zu einer Pause auffordern.

Gregor Hohn von den Hohenstein Instituten leitete die mit seinem Vortrag zur Schweißgeruchsreduktion durch Textilien die zweite Vortragssektion ein. Neben Methoden zur Maskierung und Bindung von Gerüchen sowie zur Geruchsprävention z. B. im Zusammenhang mit der Zersetzung von Körperschweiß, stellte er verschiedene am Institut für Hygiene und Biotechnologie (IHB) etablierte Testmethoden vor. Mit diesen lässt sich der Geruch sowohl quantitativ wie auch qualitativ beurteilen und damit auch die Wirkung sogenannter Anti-Smell-Ausrüstungen neutral belegen.

Photokatalytisch aktive Fasern zur Geruchsreduktion stellte Dr. Felix Reifler vom Schweizer Forschungs- und Prüflabor EMPA vor: In Polymermaterial eingebettete Nanopartikel zerstören dabei unter Lichteinwirkung die für üble Gerüche verantwortlichen organischen Verbindungen.

In die Normen für olfaktorische Messungen führte Björn Maxeiner von der Firma OLFAtec ein und erläuterte die u. a. Funktionsweise des Olfaktometers, mit dem Gerüche in verdünnter Form den besonders geschulten Teilnehmern an Geruchsstudien dargeboten werden.

Dr. Maria Mayer von den Hohenstein Instituten stellte ein Forschungsprojekt (AiF-Nr. 201 ZN) zur sensorischen Beurteilung von Schuh-Strumpf-Systemen hinsichtlich der Schweißgeruchsminimierung vor. Entscheidend für die Geruchsbildung sind demnach die thermophysiologischen Eigenschaften von Schuhen und Strümpfen. Das Zusammenspiel von Atmungsaktivität und Wärmeisolation der verwendeten Materialien wirken sich maßgeblich auf das Fußklima und damit verbunden auf die Entwicklung unangenehmen Schweißgeruches aus. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde darüber hinaus die Korrelation von subjektiver Geruchsbewertung durch Probanden und Messdaten einer "elektronischen Nase" untersucht und damit der Weg für ein objektives Beurteilungssystem bereitet.

Abschließend berichtete Urs Zielmann vom Hygiene- und Materialschutzspezialisten Sanitized über die Möglichkeiten zur Geruchsbildung bei Sportbekleidung mit Hilfe von Silber, das in die textilen Fasern eingebunden ist. Dieses verhindert die Vermehrung von Bakterien, die bei der Zersetzung von Körperschweiß für das Entstehen unangenehmer Gerüche verantwortlich sind.

Quelle: Hohenstein Institute / IDW - 03.07.2009.

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
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