MMaterialNews vom 26.02.2009

Photokatalytisch aktive Schichten für großflächige Anwendungen

Das Fraunhofer IWS hat ein neues Verfahren zur chemischen Dampfphasenabscheidung (AP-CVD) von Oxid-Schichten bei Atmosphärendruck und niedriger Temperatur entwickelt.
Es ermöglicht eine kontinuierliche Großflächenbeschichtung von Bändern ebenso wie von ebenen Blechen oder Platten mit photokatalytisch aktiven Titandioxidschichten. Die Schichten können homogen in Schichtdicken zwischen 30 und 1200 nm aufgetragen werden. Vor allem durch die Herabsetzung der Substrattemperatur auf bis 100 °C sind photokatalytische und superhydrophile Eigenschaften nun auch auf temperatursensitiven Materialien wie Polymerfolien umsetzbar.

Bei Titandioxidschichten (TiO2) ermöglicht der photokatalytische Effekt Antibeschlageigenschaften, Selbstreinigung oder hydrophob/hydrophil strukturierbare Oberflächen. Klassische Herstellungsverfahren solcher Schichten sind thermische CVD- oder Sol-Gel-Prozesse, die beide sehr hohe Substrattemperaturen (> 400 °C) für die Abscheidung bzw. Nachbehandlung der Schichten voraussetzen. Somit ist die Beschichtung temperatursensitiver Materialien mit diesen Methoden ausgeschlossen.

Für die Erzeugung von photokatalytischen Titanoxidschichten mit Dicken > 10 µm bietet das Fraunhofer IWS das Verfahren des thermischen Spritzens an. Durch die Entwicklung spezieller Förder- und Injektionstechnik modifizierten die Forscher des Fraunhofer IWS das atmosphärische Plasmaspritzen (APS) und das Hochgeschwindigkeitsflammspritzen (HVOF) für die Verwendung von Suspensionen. Dabei kommen statt der üblichen Pulverkörnungen (5 - 45 µm) feindisperse und/oder nanoskalige Pulver (50 - 100 nm) in wässriger Lösung zur Anwendung.

Die Änderungen im Werkstoff und im Spritzprozess beeinflussen Mikrostruktur und Eigenschaften der gespritzten Schichten entscheidend. So liegt in den suspensionsgespritzten Schichten ein wesentlich höherer Anteil der photokatalytisch aktiven Phase vor als in den aus konventionellen Pulvern hergestellten Schichten, was ebenso wie die feine Porosität zu verbesserten Schichtaktivitäten führt.

Bei der Herstellung funktionaler Oberflächen spielt die Nanotechnologie eine zentrale Rolle. In Dresden, einem bedeutenden Standort der Nanotechnologie, arbeitet das Fraunhofer IWS mit Firmen und Forschungseinrichtungen im Innovationscluster "nano for production" zusammen, um nanotechnologische Entwicklungen aus dem Stadium der Grundlagenforschung an die Schwelle zur industriellen Einführung zu bringen. So werden im Rahmen des Innovationsclusters wesentliche Elemente der Nanoproduktionstechnik entwickelt, erprobt und für einen weiten Anwenderkreis zugänglich gemacht.

Besuchen Sie uns auf der Hannover-Messe Industrie 2009 vom 20. - 24. April 2009 auf dem Fraunhofer-Gemeinschaftsstand "Oberflächentechnik" in Halle 6, Stand F48. Die Wissenschaftler und Entwicklungsingenieure des Fraunhofer IWS stehen Ihnen für Fragen und Anregungen gern zur Verfügung.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS / IDW.

Weitere Informationen

Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS Dresden
01277 Dresden, Winterbergstr. 28
Dr. Holger Althues
Telefon: (0351) 25 83 476
Telefax: (0351) 25 83 300
E-mail: holger.althues@iws.fraunhofer.de

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
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Materialsgate Glossar

CVD
CVD steht Chemical Vapor Deposition und lässt sich als chemische Gasphasenabscheidung übersetzen. Unter CVD werden alle Beschichtungsverfahren zusammengefasst, bei denen auf der erhitzten Oberfläche eines Substrates aufgrund einer chemischen Reaktion in der Gasphase eine Feststoffkomponente abgeschieden wird.
Gel
Als Gel wird ein feindisperses System bezeichnet, das aus mindestens einer festen und einer flüssigen bzw. gasförmigen Phase aufgebaut ist. Hierbei bildet die feste Phase ein kontinuierliches dreidimensionales Netzwerk aus, dessen Poren mit der Flüssigkeit bzw. mit dem Gas ausgefüllt sind. Kennzeichnend für ein Gel ist, dass sich beide Phasen vollständig und wechselseitig durchdringen.
Lösung
Als Lösungen werden in den Naturwissenschaften homogene (d. h. einphasige) Stoffsysteme bezeichnet, die aus mindestens zwei chemisch reinen Stoffen aufgebaut sind. Eine Lösung enthält einen oder mehrere gelöste Stoffe und ein Lösungsmittel.
Mikrostruktur
In der Materialwissenschaft und in der Werkstoffkunde versteht man unter der Mikrostruktur das Gefüge und die auflösbare Feinstruktur eines Festkörpers.
Nanotechnologie
Die Silbe „Nano“ leitet sich von dem griechischen Wort „nãnos“ ab und bedeutet übersetzt "Zwerg". Die Nanotechnologie ist ein interdisziplinäres Arbeitsgebiet, das insbesondere die Inhalte der Disziplinen Materialwissenschaft, Chemie, Physik und Biologie nutzt, um technologische Innovationen zu realisieren. Neue Materialeigenschaften, Integration und Kombination von Funktionen, Materialeinsparung und die Miniaturisierung von Komponenten und Systemen sind typische Forschungsgebiete der Nanotechnologie. Die „echte“ Nanotechnologie beschreibt Stoffsysteme, die mindestens in einer Dimension Abmessungen kleiner als 100 Nanometer besitzen. Ein Nanometer ist übrigens ein millionstel Millimeter.
Phase
In den Materialwissenschaften versteht man unter einer Phase einen homogenen Stoffbereich, indem es zu keinen sprunghaften Änderungen der physikalischen Eigenschaften und der chemischen Zusammensetzung kommt.
Porosität
Die Porosität ist eine dimensionslose physikalische Größe, die das Verhältnis des Hohlraumvolumens zum Gesamtvolumen eines Materials beschreibt. Man unterscheidet offene und geschlossene Porosität.
Sol
Der Begriff Sol ist in der Chemie und in den Materialwissenschaften ein häufig verwendetes Synonym für ein Kolloid. Näheres dazu siehe dort.
Temperatur
Die Temperatur ist eine physikalische Größe und beschreibt – quantifiziert – den Wärmezustand eines Systems. Ihre SI-Einheit ist das Kelvin (K).
nm
Abkürzung für Nanometer. Ein Nanometer entspricht 10-9 Meter.