MMaterialNews vom 05.01.2009

Edle Beschichtungen für Kunststoffbauteile

Eine diamantähnliche Beschichtung mindert die Reibung in Kugellagern und Gleitlagern: Mit Hilfe eines speziellen Verfahrens lässt sich die Kohlenstoffschicht auf den Kunststoff auftragen. Das erhöht die Belastbarkeit und die Lebensdauer der Bauteile.
Lager sind Universalbauteile: Kaum ein Gerät kommt ohne sie aus. Ob als Kugellager im Fahrrad, als Gleitlager in Kurbelwellen von Schiffen oder als Hochleistungslager im Motorsport – sie erfüllen eine ganze Reihe von Funktionen. In vielen Fällen müssen sie enormen Drehzahlen sowie thermischen Belastungen standhalten. Deshalb ist der Anspruch an das Material, aus dem die Lager und die dazugehörigen Lagerkäfige bestehen, enorm hoch.

Forscher am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg arbeiten an den Lagern der Zukunft. Die Wissenschaftler verpassen den Bauteilen eine ganz besondere Schicht. Diese sorgt dafür, dass beispielsweise Hochleistungswälzlager noch langlebiger und zuverlässiger werden. Bei der Beschichtung handelt es sich um diamantenähnlichen Kohlenstoff – diamond like carbon DLC. »Mit Hilfe einer solchen Schicht können wir Bauteile produzieren, die viel robuster sind als herkömmliche Elemente, etwa aus unbeschichtetem Kunststoff«, sagt Dr. Sven Meier, Bereichsleiter am IWM. »Die beschichteten Lager bleiben selbst dann stabil, wenn sie etwa nicht ausreichend geschmiert sind oder trocken laufen.«

Um die DLC-Beschichtungen auf die Bauteile aufzutragen, ist ein spezielles Verfahren notwendig, das die Wissenschaftler am IWM entwickelt haben. »Unsere Beschichtungsmethode eignet sich auch für geometrisch komplexe Bauteile, zum Beispiel Lagerkäfige«, erläutert Meier. Die Ingenieure haben das Verfahren so optimiert, dass sie auch besonders dicke DLC-Schichten – dicker als 20 Mikrometer – aufbringen können. »Mit unserem Prozess können wir gezielt mikrostrukturierte Schichtsysteme erzeugen. So lassen sich beispielsweise die Wirkung von Schmierstoffen optimieren sowie Reibung und Verschleiß der Lager minimieren. Bei Bedarf können wir auch ultraglatte Oberflächen herstellen.« Die besten Beschichtungsergebnisse erzielten die Forscher auf Bauteilen aus Spezialkunststoff: Mit der neuen Beschichtung erreichen Lager aus diesem Material deutlich höhere Drehzahlen als in unbeschichteter Form, entwickeln weniger Wärme und weisen eine wesentlich bessere Laufleistung auf.

Derzeit arbeiten die Forscher daran, mit Hilfe von mathematischen Modellen gezielte und für den Anwendungsfall optimierte Beschichtungsprozesse zu realisieren. Auf diese Weise soll die aufwändige Entwicklung solcher Prozesse in Zukunft kostengünstiger werden.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft.

Weitere Informationen

Dr. Sven Meier
Telefon: +49 761 5142-233
Fax: +49 761 5142-110
Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik, IWM
Wöhlerstraße 11
79108 Freiburg

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
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Carbon
Umgangssprachlicher Begriff zur Kennzeichnung von Materialien und Werkstoffen auf der Basis von kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen (CFK).
DLC
DLC steht für Diamond Like Carbon. Es handelt sich dabei um diamantenähnlichen Kohlenstoff, der über verschiedene Beschichtungsverfahren auf Substraten aufgebracht werden kann. Die Beschichtungen zeichnen sich durch große Härte und hohe Verschleißbeständigkeit aus.
Reibung
Als Reibung bezeichnet man die Gesamtheit aller Kräfte, die an der Kontaktfläche zweier Körper auftreten und ihre gegenseitige Bewegung hemmen oder verhindern.
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Als Verschleiß - umgangssprachlich auch Abnutzung genannt - wird der eintretende Masseverlust einer Materialoberfläche bezeichnet, der durch schleifende, rollende, schlagende, kratzende, chemische oder thermische Beanspruchungen erfolgt.