MMaterialNews vom 13.06.2008

Schwimmendes Windrad: Kraftwerk für die Hochsee

Zusammen mit dem norwegischen Konzern StatoilHydro entwickelt Siemens das erste schwimmende Windkraftrad der Welt.
Statt das Windrad wie bisher mit einem massiven Pfeiler im Meeresgrund zu befestigen, solle ein spezieller Schwimmkörper samt Anker die Anlage stabilisieren, berichtet das Forschungs-magazin Pictures of the Future über Details des Projekts. Damit könnten erstmals auf hoher See Windparks errichtet werden. Die Windausbeute wäre ertragreicher, und die Fauna an den Küsten würde nicht gefährdet. Ab 2009 soll ein Prototyp vor der norwegischen Küste in Betrieb gehen.

Windparks auf offener See, so genannte Offshore-Anlagen, existieren zwar bereits seit fünfzehn Jahren. Die Anlagen stehen jedoch ausnahmslos nahe der Küste, da nur im flachen Gewässer eine Verankerung im Boden möglich ist. Ein weiterer, großflächiger weiterer Ausbau ist hier unter anderem wegen der Gefährdung von Fischgründen oder Vogelzug-Gebieten problematisch.

Den Energiekonzern StatoilHydro und den Offshore-Weltmarktführer Siemens zieht es deshalb auf die hohe See, auch weil dort der Wind stärker als in Küstennähe weht. Nach Berechnungen des US-amerikanischen National Renewable Energy Laboratory ist allein das Windpotenzial innerhalb von 50 Seemeilen vor der US-Küste größer als die derzeit installierte elektrische Leistung aller US-Kraftwerke – mehr als 900 Gigawatt.

Für den Test eines Windrad-Prototyps für die hohe See ist die norwegische Küste ideal, da hier der Meeresboden steil abfällt und bereits zwölf Kilometer vor dem Festland 200 Meter tief ist. StatoilHydro ist für den Unterwasserteil der Anlage zuständig, Siemens für den Mast und die Turbine. Ein 120 Meter langer Schwimmkörper aus Stahl, Beton und Ballasttanks zieht die Konstruktion so tief ins Wasser, bis ihr Schwerpunkt weit unter der Oberfläche liegt. Dies verhindert, dass das Windrad bei starkem Wellengang schwankt. Damit das Rad nicht abtreibt, wird es mit drei flexiblen Stahltrossen an Ankern auf dem Meeresboden vertäut. Der Strom wird über ein Seekabel abtransportiert.

Die Forscher rechnen so mit einem möglichen Einsatz bis 700 Metern Tiefe – 600 Meter mehr als bei der Lösung mit massiven Pfeilern. Laufen die Tests am Prototypen erfolgreich, könnten schon in etwa zehn Jahren bis zu 200 Anlagen in einem Offshorepark schwimmen – genug, um etwa eine Million Haushalte mit Strom zu versorgen.

Siemens ResearchNews.

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
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