Das Concept Car „Senso“ sorgte auf dem Genfer Autosalon 2005 für Furore und ist dieses Jahr erstmals auf der VDI-K Tagung in Mannheim zu sehen. Das Gemeinschaftsprojekt der Bayer MaterialScience AG und Rinspeed, dem Unternehmen des Schweizer Auto-Vordenkers Frank M. Rinderknecht, spielt mit den Sinnen. Der Clou sind dreidimensional verformte Kunststoff-Folien in der futuristisch gestalteten Innenverkleidung, die unter Wechselspannung über die gesamte Fläche hinweg farbig aufleuchten und das Cockpit in ein blendfreies, ambientes Licht tauchen. „Wir wollen mit dem ‚Senso’ demonstrieren, welche Chancen diese Elektrolumineszenz-Lampen vor allem der Ambiente-Beleuchtung des Autoinnenraums eröffnen“, erklärt Thilo-J. Werners, Geschäftsführer der LYTTRON Technology GmbH, die die Leuchtfolien auf Basis von Polycarbonat entwickelt, produziert und bereits erfolgreich vermarktet. Die Folien sind im „Senso“ in ein biometrisches System eingebunden, das die Befindlichkeit des Fahrers kontrolliert und entsprechend reagiert. Je nach Stimmung des Fahrers leuchten Farbmuster auf, die ihn stimulieren (orange/gelb), beruhigen (blau/violett) oder neutral (grün) gehalten sind. Damit tragen die Folien zu mehr Sicherheit bei, aber auch zu mehr Komfort.
Beliebig dreidimensional verformbar
„Das Innovative an unseren Elektrolumineszenzfolien ist, dass sie sich dreidimensional frei verformen lassen. Zum Beispiel können problemlos farbig leuchtende Kanten und Rundungen mit sehr geringen Biegeradien umgesetzt werden. Mit anderen Worten: Die Form ist neben Licht und Farbe ein zusätzliches Designelement“, so Werners. Weil die resultierenden Bauteile flach sind, „verbrauchen“ sie kaum Bauraum. Die Lichtintensität ist über die Spannung steuerbar. Wärme muss nicht abgeführt werden, weil es sich um eine „kalte“ Lichtquelle handelt. Die Farbe des Lichtes lässt sich von Blau über Grün und Orange bis hin zu Weiß einstellen. Ein weiterer Vorteil: Das Licht ist blendfrei. „Im Vergleich zu Glühbirnen oder Leuchtdioden sind die Elektrolumineszenz-Lampen wartungsfrei und extrem langlebig. Der Austausch durchgebrannter Glühbirnen ist daher Vergangenheit“, so Werners.
Leicht zu bedrucken, gut zu verarbeiten
Neben Farbe und Form bieten die LYTTRON Leuchtfolien weitere Freiheitsgrade beim Design, die sie gerade für den Autoinnenraum interessant machen. So sind sie im Film Insert Molding(FIM)-Verfahren zu dreidimenisonalen, hinterspritzten und dekorierten Formteilen verarbeitbar. Dabei können sie zum Beispiel im Siebdruckverfahren mit einem transparenten oder transluzenten Dekor versehen werden. „Die FIM-Technologie ermöglicht ohne großen Aufwand schnelle Dekorwechsel. Deshalb sind mit unseren Folien Formteile mit Dekoren umsetzbar, was dem Trend zum individualisierten Autoinnenraum gerecht wird“, so Werners. Denkbar ist außerdem eine Beschichtung der Folienoberfläche mit transluzenten oder transparenten Soft Feel-Lacken. Dies ist attraktiv, um beispielsweise Teile der Instrumententafel oder Griffe im Türbereich grifffreundlicher auszulegen. Vom Styling her sehr ansprechend sind auch metallisierte, transluzente Teile im Tag-Nacht-Design, die bei Tageslicht einen Metallic-Look zeigen, nachts dagegen leuchten (Durchlichttechnik). Mögliche Anwendungen wären hier Griffe, Zierleisten und Logos. Die Leuchtfolien könnten aber auch dazu dienen, Handschuhfächer, Kartentaschen und Kofferräume aufzuhellen oder die Orientierung auf Ablagen zu erleichtern.
Kennzeichen – erste automobile Großanwendung
LYTTRON Elektrolumineszenz-Lampen werden demnächst auf den Straßen für ein Plus an Sicherheit sorgen – in selbstleuchtenden Kennzeichen. Dazu hat LYTTRON mit namhaften Partnern Verträge abgeschlossen und ist mit weiteren in Gesprächen, um dieses Produkt weit gefächert in den Markt zu bringen. Die Kennzeichen bestehen aus einer Aluminiumplatte, auf der eine Elektrolumineszenz-Folie aufgeklebt ist. Auf diesen Verbund wird zusätzlich eine transparente reflektierende Folie aufgebracht, die die gesetzlich geforderte Reflektion des auftreffenden Lichtes sicherstellt. Weil im Vergleich zur konventionellen Nummerschildbeleuchtung keine Glühbirnen notwendig sind, ergibt sich für den Automobildesigner ein Gewinn an Bauraum und dadurch mehr Gestaltungsfreiheit. Außerdem leuchtet das Nummernschild deutlich heller und kräftiger.
Bayer MaterialScience.