Nanotechnologie: Druckbare Elektronik auf Kunststoff-Folien
Transparente leitfähige Schichten aus so genannten TCO (transparent conducting oxides) finden sich heute in vielen alltäglichen Anwendungen. Ihre Rolle als transparente Elektroden in Displays, Touch Screen Panels und Flachbildschirmen ist in der modernen Kommunikationstechnologie nicht mehr wegzudenken.
Forscher am INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien haben nun ein Verfahren entwickelt, bei dem sie TCO Nanopartikel durch Tiefdruckverfahren direkt auf Kunststofffolien aufbringen können. Damit wird das strukturierte Drucken von transparenten Leiterstrukturen auf Folien möglich. Der Programmbereich „Optische Materialien“ des INM stellt diese Entwicklung auf der MATERIALICA in München aus: vom 18.-20. Oktober, Halle A6, Stand 302.
„Wir stellen aus den transparenten leitfähigen Oxiden besondere Nanopartikel her“ erklärt Peter William de Oliveira, Leiter des Programmbereichs „Optische Materialien“. „Durch Zugabe eines Lösungsmittels und eines speziellen Binders lassen sich diese modifizierten TCO Nanopartikel als „Tinte“ mit einer Druckplatte direkt per Tiefdruck auf die Folie aufbringen. “ so Oliveira weiter. Dieses Verfahren habe mehrere Vorteile: Der Tiefdruck ermöglicht es, mit nur einem Prozess-Schritt strukturierte TCO-Schichten kostengünstig zu drucken . Wegen der UV-Härtung bei niedrigen Temperaturen unter 150 °C lassen sich auch dünne Kunststofffolien beschichten. Dabei erfüllt der Binder mehrere Aufgaben: Er bewirkt nicht nur eine gute Adhäsion der TCO Nanopartikel zum Substrat sondern erhöht auch die Flexibilität der TCO-Schichten: Wegen dieser guten Fixierung bleibt die Leitfähigkeit selbst beim Verbiegen der Folien erhalten - ein Vorteil gegenüber den gängigen Hochvakuum-Techniken, wie zum Beispiel dem Sputtern. Außerdem erhöht der Binder die Leitfähigkeit der eingesetzten Oxide, obwohl er selbst nicht leitfähig ist. „Hier ist noch Potenzial für weitere Entwicklungen möglich“ erklärt der Physiker de Oliveira, „wenn wir es schaffen, auch den Binder leitfähig zu machen, wird die Leitfähigkeit insgesamt steigen und der Flächenwiderstand weiter absinken“.
Durch die Beschichtung auf flexiblen Foliensubstraten ist die Beschichtung mit dem klassischen Rolle-zu-Rolle Verfahren möglich. Die ersten Versuche am INM dazu sind vielversprechend. Die Forscher sind sich einig, dass durch die Verwendung von strukturierten Walzen zukünftig auch große, strukturierte, leitfähige Flächen kostengünstig mit hohem Durchsatz gedruckt werden können, wenn erst einmal die Feinheiten für das Up-Scaling austariert sind.
Neben der Verwendung von TCO-Nanopartikeln arbeiten die Entwickler am INM auch mit dem nasschemischen Sol-Gel-Verfahren. Es eignet sich besonders für temperaturstabile Substrate wie zum Beispiel Glas oder Keramik. Die Härtung erfolgt bei diesem Verfahren bei Temperaturen über 450 °C. Neben großflächigen Substraten lassen sich so auch komplexere Geometrien wie Rohre oder Formkörper beschichten. „Auch hier liegt der Vorteil bei den Kosten“ sagt der Programmbereichsleiter. Mit Vakuum-Beschichtungsverfahren, wie z.B. der Sputter-Methode, werden für großflächige Beschichtungen teure Hochvakuumapparaturen und große TCO-Targets benötigt; die gleichmäßige Beschichtung von gekrümmten Substraten ist außerdem über diesen Weg nur bedingt möglich.
Das Material der Wahl ist auch am INM hauptsächlich Zinn dotiertes Indium Oxid (Indium Tin Oxide, ITO). Wegen der abnehmenden Ressourcen und des hohen Rohstoffpreises für Indium testen die Forscher am INM auch zunehmend alternative transparente Oxide, wie zum Beispiel Aluminium dotiertes Zinkoxid (AZO) oder Antimon dotiertes Zinnoxid (ATO).
Diese und weitere industrielle Anwendungen zeigt das INM auf der internationalen Messe „MATERIALICA 2011“. Dazu zählen vor allem Entwicklungen zu speziellen Eigenschaften, wie zum Beispiel diffusionshemmende oder korrosionsbeständige Beschichtungen, Antireflexbeschichtungen sowie Photolithographie mit Silber für druckbare Elektronik.
Quelle: INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien gGmbH - 10.10.2011.
Weitere Informationen
Dr. Peter William de Oliveira
INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien gGmbH
Tel: (+49) 681 9300 148
peter.oliveira@inm-gmbh.de
Recherchiert und dokumentiert von:
Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.
Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?
Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice
Mehr zu diesem Thema
Heutige TFT-Displays – beispielsweise Fernseher – sind in ihrer Herstellung noch recht teuer und können nur mithilfe stark umweltschädlicher Gase produziert werden. Dr. Simon Bubel vom Center for Nanointegration (CeNIDE) an der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat eine Alternative gefunden, den entscheidenden Bestandteil des Transistors herzustellen. Die Idee stammt aus der Medizin.
Bei der klassischen Herstellung von thin-film transistors (TFT), zu Deutsch „Dünnschichttransistoren“, werden Gase in amorphes Silizium umgewandelt. Bei diesen Gasen handelt es sich vor allem um hochexplosive Silane, die bei Freisetzung giftige Stoffe erzeugen. Die Technologie ist zudem vergleichsweise teuer, daher forscht man seit Längerem an Alternativen. Um das Silizium zu ersetzen, bietet sich das ausreichend vorhandene, transparente und gesundheitlich unbedenkliche Zinkoxid (ZnO) an. Doch ... mehr
Die Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart arbeitet gemeinsam mit der VARTA Microbattery GmbH, Ellwangen, und der etifix GmbH, Grafenberg, an einem gedruckten Akku. Mit diesen wieder aufladbaren, im Siebdruck hergestellten Batterien leisten die Hochschule und ihre Kooperationspartner Pionierarbeit
Dabei ergänzen sich die drei Kooperationspartner optimal: Die HdM steuert ihr Druck-Know-how bei, die VARTA Microbattery GmbH ihre Fachkenntnisse aus der Elektrochemie und die etifix GmbH ihre Erfahrung auf dem Gebiet der Etikettenproduktion. Betreut wird das Projekt auf der Seite der Hochschule der Medien von Professor Dr. Gunter Hübner und Michael Wendler. Das Projekt wird im Rahmen des Forschungsprogramms „FHProfUnd“ vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung auf drei Jahre gefördert ... mehr
Elektronische Geräte, die sich per Fingerzeig mit einer Handbewegung steuern lassen, sollen künftig in jeder Wohnung stehen. Das ist die Vision des Forschungskonsortiums 3Plast. Es entwickelt spezielle Sensoren, die sich auf Folie drucken und auf Gegenständen anbringen lassen.
Das Handy ist ausgeschaltet. Doch ein Fingerzeig genügt, damit das Startmenü erscheint. Eine Berührung des Displays ist nicht erforderlich. Diese »Fernbedienung« ermöglicht ein auf dem Handy angebrachter Polymersensor, der wie die menschliche Haut auf kleinste Temperaturschwankungen und Druckunterschiede reagiert und den Finger bereits erkennt, wenn er sich nähert.
Das Szenario ist fiktiv, könnte aber in einigen Jahren Realität sein. Dafür setzen sich Forscher des EU-Projekts 3Plast ein ... mehr
Die Ausbildung von überdurchschnittlich qualifizierten jungen Ingenieuren und Ingenieurinnen im Graduiertenkolleg "Disperse Systeme für Elektronikanwendungen" der Universität Erlangen-Nürnberg ist bis zum Herbst 2014 gesichert.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) übernimmt die Förderung ab April 2010 für weitere viereinhalb Jahre; die Fördersumme beträgt 5,16 Millionen Euro. Doktoranden erhalten hier die Gelegenheit, mit nachhaltiger Unterstützung ein neuartiges Forschungsthema zu bearbeiten, das breite Anwendungsfelder verspricht: die druckbare Elektronik.
Das Umfeld, die beteiligten Wissenschaftler, das Forschungsprogramm und dessen Koordination, die Qualität der Doktoranden sowie das Qualifizierungskonzept ... mehr
|
Service:
Materialcharakterisierung und Werkstoffprüfung
Sie benötigen leistungsfähigste Methoden der Materialcharakterisierung und Werkstoffprüfung zur Optimierung Ihrer Produkte?
Charakterisierung von Coatings
Schadensanalyse von Bauteilen
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Medizintechnische Untersuchungen
Charakterisierung von Composites
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Charakterisierung von Katalysatoren
Schadensanalyse von Produkten
Charakterisierung von Fügetechnologien
Untersuchung von Diffusionsschichten
Charakterisierung von Coatings
Schadensanalyse von Bauteilen
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Medizintechnische Untersuchungen
Charakterisierung von Composites
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Charakterisierung von Katalysatoren
Schadensanalyse von Produkten
Charakterisierung von Fügetechnologien
Untersuchung von Diffusionsschichten
Kontaktieren Sie uns –
Wir leiten Ihre Fragestellung an einen unserer Kooperationspartner weiter, die alle anerkannte und zertifizierte Prüflabore mit modernster Ausstattung betreiben.
Empfohlene Literatur
Tibor Grasser et al.
Springer, Berlin
Frances L. Gardiner, Eleanor J. Carter
Smithers Rapra Technology
Leonard J. Brillson
Wiley-VCH Verlag
Materialsgate Glossar
Adhäsion
Adhäsion beschreibt die Summe der anziehenden Wechselwirkungen, die sich zwischen zwei in Kontakt befindlichen kondensierten Phasen ausbilden.
Aluminium
Aluminium (Al, Dichte: 2,7 g/cm3, Fp: 660,4 °C) ist ein silbergraues, wenig glänzendes und weiches Leichtmetall mit hoher Duktilität. Aluminium ist ein guter Wärme- und Stromleiter. Durch die Ausbildung einer dünnen, dichten und haftenden Oxidschicht besitzt Aluminium gute Korrosionseigenschaften (Passivierung). Typische Anwendungen: Münzen, Spiegel, Folien, Behältnisse, Kabel, Rohre, Karosseriebau, Verpackungen, Profile.
Antimon
Antimon (Sb, Dichte: 6,70 g/cm3, Fp: 630,6 °C) ist ein chemisches Element der 5. Hauptgruppe. Antimon ist ein silberglänzendes und sprödes Halbmetall.
Gel
Als Gel wird ein feindisperses System bezeichnet, das aus mindestens einer festen und einer flüssigen bzw. gasförmigen Phase aufgebaut ist. Hierbei bildet die feste Phase ein kontinuierliches dreidimensionales Netzwerk aus, dessen Poren mit der Flüssigkeit bzw. mit dem Gas ausgefüllt sind. Kennzeichnend für ein Gel ist, dass sich beide Phasen vollständig und wechselseitig durchdringen.
Glas
Glas ist ein amorpher, nichtkristalliner Feststoff. Thermodynamisch kann Glas als gefrorene, unterkühlte Flüssigkeit aufgefasst werden. Im Gegensatz zu kristallinen Materialien fehlt Glas die Fernordnung.
Hochvakuum
Ein Hochvakuum (HV) ist durch einen Druck von 10-3 bis 10-7 mbar gekennzeichnet.
ITO
Abkürzung für Indiumzinnoxid (engl. indium tin oxide). ITO ist ein halbleitendes und im sichtbaren Licht weitgehend transparentes Material.
Indium
Indium (In, Dichte: 7,31 g/cm3, Fp: 156,6 °C) ist ein chemisches Element der 3. Hauptgruppe, es zählt zu den Metallen. Indium ist ein silberweißes und weiches Schwermetall, das vergleichsweise selten vorkommt.
Keramik
Als keramische Werkstoffe bezeichnet man Materialien, die nichtmetallisch-anorganischer Natur bzw. Zusammensetzung sind. Der Begriff Keramik stammt vom altgriechischen "Keramos" ab und war die Bezeichnung für ein häufiges Tonmineral und die aus ihm durch Brennen hergestellten formbeständigen Erzeugnisse.
Nanopartikel
Unter einem Nanopartikel versteht man den Verbund von einigen wenigen bis mehreren tausend Atomen oder Molekülen. Der Begriff bezieht sich auf die Größe der resultierenden Teilchen, die typischerweise zwischen 1 und 100 Nanometern liegt.
Oxide
Oxide sind Sauerstoff-Verbindungen, in denen Sauerstoff die Oxidationszahl -2 hat.
Silber
Silber (Ag, Dichte: 10,49 g/cm3, Fp: 961 °C) ist ein weiches, weißglänzendes und sehr duktiles Schwer- und Edelmetall. Silber besitzt die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Elemente und die höchste thermische Leitfähigkeit aller Metalle. Verwendung: Medizintechnik, Münzen, Schmuck, Essbestecke, Tafelsilber, Elektronik.
Sol
Der Begriff Sol ist in der Chemie und in den Materialwissenschaften ein häufig verwendetes Synonym für ein Kolloid. Näheres dazu siehe dort.
Sputtern
Das Sputtern (zu deutsch Kathodenzerstäubung) ist eine Beschichtungstechnik, die zur Gruppe der PVD-Verfahren gehört. Das Verfahren basiert auf der Zerstäubung von Festkörpern (Target) im Hochvakuum durch Beschuss mit Ionen.
Substrat
In den Materialwissenschaften wird unter einem Substrat das zu behandelnde Material verstanden. In aller Regel wird die Oberfläche des Substrats veredelt, beschichtet oder modifiziert, um maßgeschneiderte Anforderungsprofile einzustellen.
Vakuum
Als Vakuum wird der Zustand eines Gases bei einem Druck bezeichnet, der deutlich niedriger ist als der Atmosphärendruck bei Normalbedingungen.
Zinn
Zinn (Sn, Dichte: 5,77 g/cm3 (alpha-Zinn); 7,27 g/cm3 (beta-Zinn), Fp: 231,9 °C) ist ein silberweiß glänzendes, sehr weiches und dehnbares Schwermetall, es lässt sich bereits mit dem Fingernagel ritzen. Verwendung: Lötzinn, Weißblech, Stanniol, Legierungselement (Bronze), Floatglasherstellung, ITO, Pigmentherstellung.
|