MMaterialNews vom 14.01.2006

Metallische Gläser werden neuer Schwerpunkt in Saarbrücker Werkstoffwissenschaft

Bedeutend fester als Stahl und doch verarbeitbar wie Kunststoffe: Dies sind die besonderen Eigenschaften der neuartigen metallischen Massivgläser. Professor Dr. Ralf Busch ist einer der Forscher-Pioniere auf dem Gebiet dieser glasartigen Metalle.
Eine Spende der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ermöglichte es nun, Prof. Busch, der zuletzt an der Oregon State University in den USA forschte und lehrte, als Nachfolger von Professor Dr. Jürgen Breme für den Lehrstuhl Metallische Werkstoffe zu gewinnen.

Schiffe, Hochhäuser, Brücken erheblich größer und höher als heute - das ist die Zukunftsvision, die sich mit den neuartigen Werkstoffen, den metallischen Massivgläsern, verbindet. Schon heute ist es möglich, kleinere Gegenstände wie Golfschläger oder Handyhüllen mit Hilfe dieser neuen Legierungen herzustellen: Sie sind bedeutend fester als konventionelle Stähle, können aber in Form gegossen werden ähnlich wie Kunststoffe. Alles, was derzeit noch aus Kunststoffen hergestellt wird, wird einmal aus metallischem Glas geformt werden können - mit dem Vorteil, dass diese Produkte nahezu unzerstörbar sind.

Professor Ralf Busch, der jetzt an der Saar-Uni forscht und lehrt, ist Spezialist auf dem Gebiet neuartiger metallischer Strukturwerkstoffe und hat sich als einer der Pioniere in Sachen metallischer Massivgläser früh internationale Anerkennung erworben.

Metallische Gläser sind prinzipiell schon seit etwa 40 Jahren bekannt, jedoch konnte man bislang nur dünne Folien aus ihnen herstellen. Busch forschte als Humboldt-Stipendiat am renommierten US-amerikanischen California Institute of Technology in Pasadena, als dort 1993 ein Durchbruch gelang, den Experten als Revolution für die Metallurgie des 21. Jahrhunderts bewerten: Erstmals konnten die Forscher den Werkstoff so weiterentwickeln, dass er massiv verarbeitet, also in alle Formen gegossen werden konnte. Busch konnte seither seine Forschungsergebnisse auf dem Gebiet neuartiger metallischer Massivgläser in zahlreichen internationalen Artikeln veröffentlichen.

In Saarbrücken will Busch jetzt daran arbeiten, diese strukturellen Werkstoffe weiterzuentwickeln und im Hinblick auf ihre Eigenschaften weiter zu charakterisieren. So sollen etwa die Kosten der Herstellung der metallischen Gläser gesenkt, die herstellbare Menge vergrößert und damit gleichzeitig die neuen Werkstoffe für die Industrie interessant gemacht werden.
Professor Busch für die Saar-Uni zu gewinnen, hat entscheidend die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung unterstützt. Eine Spende in sechsstelliger Höhe ermöglicht dem Forscher hier optimale Bedingungen. Der Saarbrücker Werkstoffwissenschaftler Professor Frank Mücklich, der 1997 den Alfried Krupp-Förderpreis für junge Hochschullehrer erhielt, hatte sich besonders für diese Förderung des Lehrstuhls Metallische Werkstoffe und die damit verbundene Etablierung des neuen Schwerpunktes metallischer Strukturwerkstoffe in der Saarbrücker Werkstoffwissenschaft eingesetzt.

Universität des Saarlandes.

Weitere Informationen

Professor Dr. Ralf Busch
Tel: 0681/302-3208
Email: r.busch@mx.uni-saarland.de

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
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