MMaterialNews vom 14.12.2011

Textilien: Schluss mit „anhänglichen“ Schweißgeruch-Molekülen

Kleidungsstücke, denen Schweißgeruch hartnäckig anhaftet, stellen für deren Träger, Hersteller und die Waschmittel- und Maschinenindustrie gleichermaßen ein Problem dar. Wissenschaftler der Hohenstein Institute in Bönnigheim haben untersucht, warum sich diese Geruchs-Moleküle in Verbindung mit bestimmten textilen Materialien zum Teil sogar nach dem Waschen als besonders „anhänglich“ erweisen.
Dazu entwickelten die Experten um Prof. Dr. Dirk Höfer zwei Testmethoden, mit denen sich die Schweiß-Moleküle, die in Textilien gebunden sind, quantitativ erfassen lassen. Mit Hilfe dieser Untersuchungen lässt sich bereits bei der Konstruktion von Textilien deren Neigung zur Annahme von Schweißgeruch überprüfen und in der Folge positiv beeinflussen. Neben Sport- und Businesskleidung sieht Prof. Höfer hier insbesondere bei Polstertextilien für öffentliche Verkehrsmittel sowie in der Automobil- und Luftfahrtindustrie noch Optimierungsbedarf. Aber auch die Hersteller von Waschmitteln und -maschinen können mit Hilfe der Hohenstein Entwicklungen künftig sicherstellen, dass ihre Produkte insbesondere bei neuartigen textilen Materialkombinationen für eine zuverlässige Geruchsreduzierung beim Waschen sorgen.

Dass die Verhinderung von unangenehmem Schweißgeruch in Textilien und dessen Entfernung keine triviale Aufgabe ist, hängt in erster Linie mit dessen komplexer Zusammensetzung aus verschiedensten chemischen Substanzen zusammen. Verantwortlich für den typischen (unangenehmen) Schweißgeruch sind dabei u.a. spezifische Carbonsäuren. Bei ihren Untersuchungen „impfen“ die Hohenstein Wissenschaftler die verschiedenen textilen Materialien mit einer definierten Menge von Carbonsäure, die zuvor radioaktiv markiert wurde. Um eine volle Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu ermöglichen, werden jeweils gleiche textile Konstruktionen (Gestricke, Gewirke usw.) und Flächengewichte (g/m2) zugrunde gelegt – lediglich die zugrundeliegenden Faserarten (Baumwolle, Polyester usw.) unterscheiden sich. Nach einer Einwirkzeit (Inkubation) von 24 Stunden wird die Anzahl der radioaktiv markierten Carbonsäuren ermittelt und verglichen.

In ihrem zweiten Prüfszenario verwenden die Hohenstein Experten eine künstliche Schweißlösung (Schweißgeruchssimulat), die mehrere Leitsubstanzen des Schweißgeruchs in definierten Verhältnissen enthält und damit jederzeit reproduzierbar ist. Die textilen Muster werden mit einer festgelegten Menge des Kunstschweißes versehen und unter gleichbleibenden klimatischen Bedingungen aufbewahrt. Nach Ablauf der Inkubationszeit wird die Geruchsintensität der Textilien von speziell geschulten Testriechern in sogenannten Pannelist-Untersuchungen beurteilt.

Die Kombination von instrumentellen und Pannelist-Untersuchungen sind in dieser Form weltweit einzigartig. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Forscher verschiedener Fachgebiete stellen die Experten der Hohenstein Institute zudem sicher, dass nicht nur den Gründen für die Bindung von Schweiß in Textilien auf die Spur gegangen wird, sondern in Zusammenarbeit mit der Industrie auch Lösungswege für deren Eliminierung entwickelt werden können.

Warum Textilien unterschiedlich stark nach Schweiß riechen?

Wie stark ein Textil nach Schweiß riecht, hängt zum einen davon ab, wie viele Schweißgeruchsmoleküle das Textil aufnimmt und zum anderen wie viele dieser Moleküle im Zeitverlauf wieder freigegeben werden und damit als (unangenehmer) Geruch wahrnehmbar sind. Die quantitative Erfassung der Geruchsmoleküle durch die Hohenstein Wissenschaftler haben bestätigt, dass Baumwolle die Schweißmoleküle stärker und länger an sich bindet als z. B. Polyester. Von diesem können sich die Moleküle, die für den Geruch verantwortlich sind offenbar leichter lösen. Dieses Ergebnis wurde auch bei der Beurteilung durch Testriecher mit Hilfe von Kunstschweiß bestätigt. Die Geruchsprüfer bestätigten einen geringeren Geruch der T-Shirts aus Baumwolle im Vergleich zu Polyester.

Quelle: Hohenstein Institute - 13.12.2011.

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Untersuchungen zur Sicherheit von Nanoprodukten für Mensch und Umwelt
Mit Nano-Teilchen (gr. nanos = Zwerg) entstehen heutzutage faszinierende Produkte mit ganz neuen Funktionalitäten. Dazu gehören z. B. Textilien, von denen Schmutz einfach abperlt oder die antibakteriell wirken. Doch wie bei jeder neuen Technologie muss auch diese sicher in der Anwendung sein. Hersteller und Anwender solcher High-Tech-Produkte sind daher gleichermaßen daran interessiert, dass die Nano-Partikel für Mensch und Umwelt unschädlich sind und das über den gesamten Lebenszyklus. Im... mehr
Entwicklung von keimdichten, geräuscharmen und atmungsaktiven Kopfkissen-Encasings
Encasings sind hauptsächlich als Milbenschutzbezüge von Matratzen, Kopfkissen und Bettdecken für Allergiker bekannt. Sie spielen jedoch auch in Bereichen, in denen Hygienemaßnahmen wegen der wechselnden Bettenbelegung notwendig sind, eine immer größere Rolle. In Krankenhäusern und Pflegeheimen, aber auch in Hotels, kommen spezielle Kopfkissen-Encasings zum Einsatz. Diese sind keimdicht beschaffen, so dass keine Mikroorganismen in das Kopfkissen eingetragen werden und damit von einem Gast bzw... mehr
Neue Absorbersysteme zur Verbesserung der Nahtqualität beim Laserschweißen technischer Textilien
Im Rahmen des Forschungsprojektes (AiF-Nr. 17031 N) „Absorbersysteme zum Laserschweißen von Textilien“ arbeiten Wissenschaftler der Hohenstein Institute zusammen mit Kollegen des Deutschen Wollforschungsinstituts in Aachen momentan an der Entwicklung neuer Infrarot Absorbersysteme zur mechanischen und optischen Verbesserung von lasergeschweißten Nähten. Dadurch kann das Laserschweißen von Textilien, eine alternative und zukunftsweisende aber noch junge Fügetechnik, breiter eingesetzt werden... mehr
Entwicklung einer leasingtauglichen, antimikrobiellen und komfortablen Arbeitskleidung
In vielen Bereichen, insbesondere in Lebensmittelbetrieben und in der Gastronomie, in der Krankenhaus- und Altenheimpflege ist die Hygiene der Arbeitsbekleidung sehr wichtig. Im Rahmen des Forschungsprojektes (IGF-Nr. 16039 BG) haben Wissenschaftler der Hohenstein Institute in Kooperation mit dem Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung und dem Sächsischen Textilforschungsinstitut an der Technischen Universität Chemnitz Gewebe für eine leasingtaugliche antimikrobielle Arbeitskleidung... mehr
RSS
facebook
xing
twitter
linkedin

MaterialCards Weekly

Ihr persönlicher und kostenfreier Material-Reminder - wöchentlich per E-Mail

Service:
Material­cha­rak­teri­sierung und Werkstoffprüfung

Sie benötigen leistungsfähigste Methoden der Material­cha­rak­teri­sierung und Werk­stoff­prü­fung zur Optimierung Ihrer Produkte?
Schadensanalyse von Bauteilen
Gefüge-Analytik
Medizintechnische Untersuchungen
Keramographie
Charakterisierung von Katalysatoren
Schadensanalyse von Produkten
Element-Mapping
Prüfung von Kunststoffen
Charakterisierung von Fügetechnologien
Untersuchung von Diffusionsschichten
Thermographie
Korrosionstests
Metallographie
Charakterisierung von Coatings
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Automotive Testing
Charakterisierung von Composites
Barriere-Eigenschaften
Bruchmechanik
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Schadensanalyse von Bauteilen
Gefüge-Analytik
Medizintechnische Untersuchungen
Keramographie
Charakterisierung von Katalysatoren
Schadensanalyse von Produkten
Element-Mapping
Prüfung von Kunststoffen
Charakterisierung von Fügetechnologien
Untersuchung von Diffusionsschichten
Thermographie
Korrosionstests
Metallographie
Charakterisierung von Coatings
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Automotive Testing
Charakterisierung von Composites
Barriere-Eigenschaften
Bruchmechanik
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Kontaktieren Sie uns – Wir leiten Ihre Fragestellung an einen unserer Kooperationspartner weiter, die alle anerkannte und zertifizierte Prüf­la­bore mit modernster Ausstattung be­treiben.

Empfohlene Literatur

T. Rowe
Woodhead Publishing
Q. Wei
Woodhead Publishing Ltd
Deutscher Fachverlag