MMaterialNews vom 13.10.2010

Erstmalig im Einsatz: Autofrontscheibe aus PLEXIGLAS® von Evonik

+ + + Erprobung im Rennsport + + + Deutliche Reduktion des Gewichts von Autoscheiben + + + Teil der Verscheibungsstrategie des Konzerns + + +
Erstmals wird eine Auto-Frontscheibe aus Polymethylmethacrylat (PMMA) von Evonik Industries im Rennsport eingesetzt. Das Unternehmen vertreibt seine PMMA-Produkte unter dem Markennamen PLEXIGLAS®. Zunächst in der Erprobungsphase in einem Rennboliden ist der Einsatz im Serienbau das Ziel. „Die Anforderungen im Rennsport“, so Rudolf Blass, bei Evonik für Automotive and Surface Design im Geschäftsgebiet Acrylic Polymers zuständig, „sind so hoch, dass es sich dabei um das ideale Trainingsfeld für neue Entwicklungen handelt“. So muss eine Frontscheibe, die im Rennen bestehen soll, optisch einwandfrei sein, um dem Fahrer eine klare Sicht und damit die höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Auch eine hohe Steinschlagfestigkeit ist gefordert. Diese beiden wichtigsten Herausforderungen haben die Spezialisten von Evonik gemeistert. Und das erfolgreich, so Blass: „Die Steinschlagfestigkeit beispielsweise ist deutlich besser als bei einer vergleichbaren Frontscheibe aus Autoglas.“ Zudem sorge eine solche Frontscheibe aus PMMA alleine schon in dem von Evonik gesponserten Lotus Exige Sportwagen von RED-Motorsport für eine Gewichtsersparnis von bemerkenswerten 40 Prozent: von elf Kilogramm bei der Serienscheibe auf sechs Kilogramm.

„Für den Rennsport ist das Gewicht außerordentlich wichtig, allerdings verfügt PLEXIGLAS®“, so der Chef des Automotive Industry Teams (AIT) von Evonik, Klaus Hedrich, „noch über weitere, beeindruckende Vorteile“. So zeichne sich eine solche Scheibe auch durch hohe Steifigkeit aus, biete sehr gute Transparenz, gute akustische Eigenschaften und eine hohe UV- und Witterungsbeständigkeit und damit Langlebigkeit. Außerdem verfügt das Material im Vergleich zu Glas über eine niedrige Infrarot-Transmission, so dass sich das Wageninnere weniger aufheizt. In dem Brit-Racer sind zudem seit längerem schon Seitenscheiben aus PMMA verbaut. Dennoch: Front- und Seitenscheiben sind nur ein Teil der Verscheibungsstrategie von Evonik. Im Blickpunkt der Entwickler für weitere Anwendungen sind auch Heck- oder Panoramadachscheiben, die vielleicht schon bald zur Serienreife kommen.

„Eine potentielle Gewichtsersparnis von 40 bis 50 Prozent für ein Bauteil lässt das Herz jedes Renningenieurs höher schlagen“, unterstreicht Martin Roos, Besitzer von RED-Motorsport aus dem nordrhein-westfälischen Mettmann, die Bedeutung von Leichtbau im Auto. So auch bei seinem Lotus Exige Renner - veredelt und erleichtert mit Teilen von Evonik Industries. Light Weight Design heißt ein Hauptaugenmerk der Automotive-Spezialisten des Konzerns. So wurden bei dem Leichtbaurenner Karosserieteile aus CFK und dem Strukturschaum ROHACELL® gefertigt. Erstmals wurden auch am Motor des Boliden Ladeluftrohre aus Kunststoff verbaut, die nur halb so schwer sind wie die bisher üblichen Metallteile. Sie bestehen aus Polyamid 12 – Markenname VESTAMID® und Polyphthalamid, Markenname VESTAMID HTplus® und halten Temperaturen bis 180 Grad Celsius aus. Auch im Motor kommt Evonik zum Einsatz: RohMax® Öladditive sorgen für verbesserte Fließeigenschaften von Schmierstoffen und damit für mehr Leistung bei geringerem Verbrauch. Und den Starterstrom liefert eine Lithium-Ionen Batterie, in Summe nur ein Drittel so schwer wie herkömmliche Bleibatterien.

Der Motorsport ist für Evonik ein Testgelände für Alltagsanwendungen – die harte Vorstufe zur Serie. Denn nur was auf der Rennstrecke funktioniert, beweist die grundsätzliche Tauglichkeit für ein Serienfahrzeug. Daher ging Evonik konsequent den nächsten Schritt - und entwickelte zusammen mit der Sportwagenschmiede von Lotus Engineering im britischen Hethel einen ganz speziellen und straßenzugelassenen Lotus Exige - mit allen Leichtbaulösungen von Evonik und noch einigem mehr. „Die Vorlage war unser Rennwagen von RED-Motorsport“, so AIT-Chef Klaus Hedrich, „mit dem wir in der Vergangenheit zahlreiche Rennsporterfolge in der Dutch Super Car Challenge feierten sowie beim 24 h Rennen in Silverstone 2008 den ersten Platz in der Klasse.“ Das Konzept des Straßenrenners: Geringes Gewicht wirkt immer und bei vielen wichtigen Eigenschaften des Autos - beim Benzinverbrauch, in der Beschleunigung, beim Bremsen, in der Kurve. Die Aufgabe des Boliden mit dem Nummernschild: Aufzeigen, wie rennerprobte Leichtbaulösungen Ihren Weg in die Serienanwendung finden. Und ganz nebenbei, wie attraktiv wirkliches Abspecken aussehen kann. Das Ergebnis: der Evonik Light Weight Design (LWD) Lotus, der in Summe satte 75 Kilogramm weniger auf die Waage bringt als der schon sehr leichte Serien-Exige S.

Quelle: Evonik Industries - 07.10.2010.

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
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