MMaterialNews vom 19.04.2011

Elektronik: Neue Methode zur Optimierung von OLEDs

Organische Leuchtdioden (OLEDs) gehören zu den Technologien der Zukunft. Für die Produktion flacher Fernsehbildschirme, transparenter Displays oder großflächiger Beleuchtungssysteme werden OLEDs besonders geeignet sein.
Denn im Gegensatz zu herkömmlichen LEDs weisen OLEDs große Vorteile auf: Sie sind relativ einfach herzustellen, sehr dünn, energiesparend und sogar auf flexiblen Trägerfolien einsetzbar. Mit der neuen Technologie ist somit eine preiswerte Opto-Elektronik mit geringem Energieverbrauch realisierbar.

Allerdings leiden OLEDs noch an Kinderkrankheiten. Kopfzerbrechen bereitet unter anderem die unterschiedliche Haltbarkeit der einzelnen Pixel, was negative Auswirkungen auf die Bildqualität hat. Bislang strahlen nur die Farben Rot und Grün intensiv und dauerhaft. Ein weiteres Problem liegt in der noch zu lang anhaltenden Lichtabstrahlung der leuchtenden Moleküle (Emittermoleküle). So zeigen sich nach Anregung eines Großteils oder aller Emittermoleküle Sättigungseffekte und es kommt zu unerwünschten Energieverlusten. In diesem Zusammenhang gelang nun Prof. Dr. Hartmut Yersin vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Regensburg ein wichtiger Durchbruch. Durch das von Yersin entwickelte Verfahren des „Singulett-Harvesting“ kann die Zeit der Lichtabstrahlung bzw. die Emissionslebensdauer der Emittermoleküle deutlich verringert und der Wirkungsgrad der OLEDs erheblich verbessert werden. Darüber hinaus ermöglicht dieses neue Verfahren die Verwendung von wesentlich preiswerteren Materialien als bisher.

Elektroluminiszenz als Grundlage von OLEDs

Die OLED-Technologie nutzt das Prinzip der Elektrolumineszenz. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Luminiszenz (Lichtausstrahlung), bei der eine Anordnung von dünnen Schichten durch das Anlegen einer elektrischen Spannung dazu gebracht wird, Licht zu emittieren bzw. abzugeben. Die Elektrolumineszenz in einer OLED basiert auf der Zusammenführung (Rekombination) zweier entgegengesetzter Ladungsträger (Elektronen und Defekt-Elektronen bzw. „Löcher“) unter Erzeugung eines angeregten Zustandes. Beide Ladungsträger wandern unter der Wirkung eines elektrischen Feldes, d. h. nach Anlegen einer Spannung von einigen Volt, in Richtung der jeweiligen Gegenelektrode. Treffen die beiden Ladungen zwischen den Elektroden aufeinander, kommt es zur Rekombination. Hierbei wird ein nach außen ungeladenes Elektron-„Loch“-Paar, das sogenannte Exziton, gebildet, das schließlich unter der Beteiligung der Emittermoleküle über die Abstrahlung von Licht wieder in den Grundzustand übergeht.

Der Aufbau von OLEDs: Ein leuchtendes „Sandwich“

OLEDs sind dafür wie ein „Sandwich“ aufgebaut. Sie bestehen aus mehreren, extrem dünnen Schichten. Eine davon, die Kathode, injiziert Elektronen. Eine andere, die Anode, entfernt Elektronen, so dass „Löcher“ entstehen. Elektronen und Löcher können sich frei bewegen und treffen in einer dünnen Schicht zwischen Kathode und Anode zusammen. Diese Schicht enthält die wichtigen Farbstoffmoleküle. Hier wird die Energie in Form eines Photons freigesetzt und Licht emittiert. Wenn ein Elektron und ein Loch in der Farbstoffschicht zusammentreffen, gibt es dabei – aufgrund des Eigendrehimpulses bzw. des Spins der Elektronen - vier denkbare, sogenannte Spinkombinationen. Eine davon bildet ein so genanntes Singulett, die drei anderen führen zu Tripletts. Entsprechend werden auch Emittermaterialien, die in OLEDs eingesetzt werden, als Singulett- bzw. Triplett-Emitter bezeichnet.

Unterschiedliche Effizienz der OLED-Emitter

Aufgrund der möglichen Spinkombinationen werden die Singulett- und Triplett-Zustände im Verhältnis 1:3 gebildet. Daraus ergibt sich, dass Singulett-Emitter nur etwa 25 % der erzeugten Exzitonen ausnutzen können. Die dabei erzeugte Emission, die sogenannte Fluoreszenz, wird zudem in sehr kurzer Zeit abgestrahlt. Dagegen können bei einer Triplett-Emission, die als langlebige Phosphoreszenz auftritt, sämtliche Exzitonen ausgenutzt, umgewandelt und als Licht emittiert werden („Triplett-Harvesting“). Denn der große Vorteil von phosphoreszierenden Emittern besteht auch darin, dass sowohl der Singulett-Zustand als auch die drei möglichen Triplett-Zustände eines Exzitons für die Emission genutzt werden können. Daher sind phosphoreszierende Triplett-Emitter im Allgemeinen besser geeignet, in OLEDs für eine hohe Lichtausbeute zu sorgen. Ein Nachteil ist allerdings dadurch gegeben, dass bei der Phosphoreszenz Sättigungseffekte auftreten können. Damit wird der Wirkungsgrad deutlich reduziert, und zwar besonders bei Beleuchtungssystemen mit hohen Helligkeitsanforderungen.

Vorteile gewinnbringend kombinieren: Das „Singulett-Harvesting“

Das von Prof. Yersin entwickelte Verfahren ermöglicht durch die Ausnutzung eines besonderen Effektes eine drastische Verkürzung der Emissionslebensdauer der Emittermoleküle, wobei die hohe Effizienz, die mit dem „Triplett-Har€ves€ting“ verbunden ist, ebenfalls voll erreicht werden kann. Es handelt sich um das neue „Singulett-Harvesting-Verfahren“. Hierbei werden die jeweiligen Vorteile der Emission aus dem Singulett-Zustand und dem Triplett-Zustandes verknüpft. Durch Verwendung von sehr preiswerten Metall-Komplexen, die kleine Singulett-Triplett-Energieabstände aufweisen, kann eine überaus effiziente thermische Rückbesetzung aus dem zunächst sehr effektiv besetzten Triplett-Zustand in den Singulett-Zustand erfolgen. Die Vorteile von Tripletts (Effizienz) und von Singuletts (Kurzlebigkeit der Emission) werden so gewinnbringend kombiniert.

Auf der Grundlage des „Singulett-Harvesting-Effekts“ sind bereits mehrere Patente entstanden. Das neue Verfahren wird künftig in der OLED-Entwicklung eine wichtige Rolle spielen. Die Ergebnisse sind darüber hinaus vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Coordination Chemistry Review“ erschienen (DOI: 10.1016/j.ccr.2011.01.042)

Quelle: Universität Regensburg - 18.04.2011.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hartmut Yersin
Universität Regensburg
Institut für Physikalische und Theoretische Chemie

Tel.: 0941 943-4464
Hartmut.Yersin@chemie.uni-regensburg.de

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Chlorine: an abundant and readily available halogen gas commonly associated with the sanitation of swimming pools and drinking water – could a one-atom thick sheet of this element revolutionize the next generation of flat-panel displays and lighting technology?
In the case of Organic Light-Emitting Diode (OLED) devices, it most certainly can. Primary researchers Michael G. Helander (PhD Candidate & Vanier Canada Graduate Scholar), Zhibin Wang (PhD Candidate), and led by Professor Zheng-Hong Lu, in the Department of Materials Science & Engineering at the University of Toronto, have found a simple method of using chlorine to drastically reduce traditional OLED device complexity and dramatically improve its efficiency all at the same time. By engineering... mehr
Henkel, der Weltmarktführer bei Klebstoffen, Dichtstoffen und Oberflächenbehandlungen für Verbraucher, Handwerker und industrielle Anwendungen, und das Holst Centre, eine offene Innovationsinitiative der Forschungsorganisationen imec (Belgien) und TNO (Niederlande) wollen künftig im Bereich Flexible Elektronik zusammenarbeiten, wie die Partner jetzt bekanntgaben.
Mit seiner Klebstoff-Kompetenz bringt Henkel einen neuen Know-how-Bereich in die gemeinsamen Forschungsprogramme des Holst Centre ein, von dem zahlreiche Aktivitäten des Holst Centre profitieren werden, z. B. die Forschung zu großflächigen organischen Photovoltaikmodulen und OLED-Leuchtmitteln und -schildern. Klebstoffe mit funktionalen Eigenschaften, z. B. elektrische Leitfähigkeit oder feuchtigkeitssperrende Wirkung, bergen große Potenziale für zukünftige Elektronikanwendungen, sei es... mehr
Der Traum einer preiswerten, energiesparenden Beleuchtung im großen Maßstab ist Dank den von Fraunhofer Forschern entwickelten Barriereschichtsystemen für flexible OLEDs ein Stück näher gerückt.
Die organische Leuchtdiode (OLED) gilt als ein Leuchtmittel der Zukunft, das die heute üblichen Glühlampen mit ablösen könnte. Sie wandelt Elektrizität ohne große Energieverluste in flächiges Licht hoher Qualität um. Bisher sind die auf dem Markt befindlichen OLEDs allerdings noch recht preisintensiv und werden ausschließlich auf starren Materialien, wie Glas, hergestellt. Die Entwicklung von flexiblen organischen Leuchtdioden, die in industriellen Anlagen in großem Maßstab produziert... mehr
Erstmals ist eine neue Beleuchtungsquelle aus Kunststoff kommerziell verfügbar: Osram Opto Semiconductors hat ein OLED-Flächenlicht für professionelle Beleuchtung auf den Markt gebracht.
Das hauchdünne OLED-Panel liefert warmweißes Licht, dessen Farbwert der Lichtfarbe einer Glühlampe entspricht, braucht aber nur halb so viel Energie wie diese. OLED (Organic Light Emitting Diodes) bestehen aus dünnen organischen Schichten. Diese leuchten, wenn elektrischer Strom durch sie fließt. Die extrem dünnen und superleichten Flächenstrahler eröffnen bisher unbekannte Möglichkeiten der Beleuchtung, wie zum Beispiel leuchtende Raumteiler oder völlig neuartiges Leuchtendesign. Das runde... mehr

MaterialCard-Datenbank




Empfohlene MaterialCards

Empfohlene Literatur

Materialsgate Glossar

Anode
Eine Anode ist eine Elektrode an der Oxidationsreaktionen stattfinden.
Chemie
Die Chemie ist eine exakte Naturwissenschaft. Sie beschäftigt sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften und der Umwandlung von Stoffen. Chemische Vorgänge gehen immer mit einer Stoffänderung einher.
Elektrolumineszenz
Elektrolumineszenz ist eine Form der Lichtemission, bei der ein Stoff bzw. ein Material durch das Wirken eines elektrischen Feldes oder einer elektrischen Spannung dazu angeregt wird, elektromagnetische Strahlung zu emittieren.
Elektronen
Elektronen sind elektrisch negativ geladene Elementarteilchen, sie werden mit dem Symbol e- abgekürzt. Elektronen halten sich in der Atomhülle auf und bestimmen das chemische Verhalten der jeweiligen Atome.
Fluoreszenz
Als Fluoreszenz wird eine kurzzeitige, spontane Aussendung (Emission) von Licht bezeichnet, die auf dem Übergang eines elektronisch angeregten Systems in einen Zustand niedrigerer Energie basiert. Das dabei emittierte Licht ist im Allgemeinen energieärmer - also langwelliger - als das vorher absorbierte Licht.
Kathode
Eine Kathode ist eine Elektrode an der Reduktionsreaktionen stattfinden.
OLED
Die Abkürzung OLED steht für Organic Light Emitting Diode, dies lässt sicht treffend mit organische Leuchtdiode übersetzen.
Oleds
Oled ist die Abkürzung für organic light emitting diode. Als Oleds werden organische Leuchtdioden bezeichnet.
Phosphoreszenz
Als Phosphoreszenz bezeichnet man die Eigenschaft eines Materials, nach dem Bestrahlen mit sichtbarem oder UV-Licht im Dunkeln nachzuleuchten. Dieses Phänomen kann zwischen Sekundenbruchteilen bis hin zu mehreren Stunden andauern.
Wirkungsgrad
Der Wirkungsgrad beschreibt in den Prozessen der Energiewandlung und Energieübertragung das Verhältnis von abgegebener Leistung zu zugeführter Leistung. Er wird mit dem griechischen Buchstaben Eta gekennzeichnet. Der Wirkungsgrad ist eine dimensionslose Größe und kann Werte zwischen 0 und 1 bzw. zwischen 0 und 100 % annehmen.