MMaterialNews vom 27.06.2012

Fertigung: Gehäuse für Piezo-Aktoren mit selektivem Laserschmelzen fertigen

Winzlinge brauchen Schutz. Das gilt auch für die immer mehr nachgefragten Piezo-Aktoren, denen ein widerstandsfähiges Gehäuse das Leben verlängern kann. Bislang eignen sich für deren Herstellung großmaßstäbliche Fertigungstechnologien wie Spritzgießen aus wirtschaftlicher Sicht nicht.
Die Idee, additive Fertigungstechnologien für die Produktion einzusetzen, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Zusammenarbeit mit dem Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) der TU Darmstadt erfolgreich in die Tat umgesetzt.

Ihnen ist es gelungen, einen Piezo-Aktor mit Hilfe des selektiven Laserschmelzens (SLM) mit einem auf die Anwendung angepassten, individuellen Gehäuse zu versehen. Das Gehäuse kann in seinen mechanischen Eigenschaften sehr variabel gestaltet werden.

Ein dichtes Gehäuse verbessert die Zuverlässigkeit von Piezo-Aktoren, denn ohne Gehäuse oder anderen Schutz verringern Umwelteinflüsse wie Feuchtigkeit, Schmutz und Hitze die Lebensdauer. Bislang waren bei der Herstellung von Aktor-Gehäusen wegen der nötigen Vorspannung viele einzelne Teile erforderlich, was die Kosten in die Höhe trieb. Ziel der Darmstädter Forscher war es daher, das Aktor-Gehäuse als ein Bauteil zu fertigen. Sie nutzten dazu die Vorzüge des SLM, sehr frei in der Formgebung zu sein. SLM ist eine kommerziell verfügbare und gut etablierte Fertigungstechnologie, die aus verschiedenen Metallpulvern feste Teile fertigt. Dabei wird das Metallpulver durch einen Laserstrahl auf seine Schmelztemperatur erhitzt. Durch die schichtweise Zugabe von Material lassen sich feste Teile direkt aus CAD-Daten erstellen, ohne dafür teilespezifische Werkzeuge anfertigen zu müssen.

Mit diesem Verfahren lässt sich ein Großteil des Aufwandes für Werkzeuge einsparen und die Herstellungskosten von komplexen Teilen in eher kleinen Stückzahlen spürbar senken. Als Aktor wählten die Forscher einen im Handel erhältlichen piezokeramischen Stapelaktor mit einer maximalen Blockierkraft von 2 kN und eine maximale Dehnung von 45 μm. Die Größe des Aktors beträgt 7 x 7 x 32 mm.

Direkte Herstellung des Gehäuses

Vor der größten Herausforderung standen die Darmstädter Forscher, als es darum ging, den Piezoaktor während der Herstellung des SLM-Gehäuses in dieses zu integrieren. Nur auf diese Weise konnte es gelingen, eine hermetische Ab-dichtung zu realisieren. Zu diesem Zweck unterbrachen die Wissenschaftler den Prozess des selektiven Laserschmelzens an einer bestimmten Höhe. In diesem Stadium integrierten sie den Aktor und setzten anschließend den SLM-Prozess fort. Mit dieser Vorgehensweise konnte der Aktor erstmalig vollständig mit einem, mit bestimmten physikalischen Eigenschaften ausgestatteten, Metallgehäuse umschlossen werden.

Während des Prozesses treten im Pulverbett Temperaturen von durchschnittlich 180°C auf. Der hieraus resultierende thermische Schrumpf des Gehäuses führt zu einer mechanischen Vorspannung des Aktors im Inneren, die sich vorteilhaft auf die Antriebsleistung und die Zuverlässigkeit auswirkt.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF - 25.06.2012.

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Extrem schnelle, präzise Steuerbarkeit und Bewegung des Lasers, kurze Wechselwirkungszeiten zwischen Laserstrahlung und Bauteil und daraus folgende Produktivitätssteigerungen gegenüber klassischen Fertigungsverfahren sind die Vorteile des Remote-Laserstrahlschneidens, welches das Fraunhofer IWS für eine breite Palette von Kunststoff- und Composite-Materialien zur Verfahrens- und Systementwicklung einsetzt.
So konnte beispielsweise die Remote-Lasertechnologie für das Schneiden von Airbaghüllen und -säcken bereits in die Industrie überführt und mit den entwickelten Systemen Produktivitätssteigerungen von bis zu 90 % gegenüber dem konventionellen Schnitt erreicht werden. Erfolgreich wurde der kontinuierliche Vorschub der Gewebebahn mit der schnellen Bewegung der Scannerspiegel kombiniert und somit ein effektiver und flexibler »on the fly«-Zuschnitt von Textilbahnen realisiert. Textile Materialien... mehr
Am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT ist erstmals die qualitative und quantitative Charakterisierung des Pulvergasstrahls beim Laserauftragschweißen gelungen. Die Pulvergaszufuhr ist ein wichtiger Parameter für den gesamten Prozess und maßgeblich für das Bearbeitungsergebnis verantwortlich. Deswegen ist ihre genaue Kenntnis notwendig, um die Qualität des Prozesses aufrecht zu erhalten.
Für die Reparatur und Herstellung metallischer Bauteile und zur Funktionalisierung metallischer Oberflächen hat sich das Laserauftragschweißen als Bearbeitungsverfahren etabliert. Ein pulverförmiger Zusatzwerkstoff wird über eine Düse in die vom Laserstrahl erzeugte Schmelze eingebracht. Dabei entsteht eine Schicht, die schmelzmetallurgisch mit dem Werkstück verbunden ist. Eine Schlüsselrolle kommt hierbei der Pulverzufuhr in das Schmelzbad über die Düse zu. Sie beeinflusst maßgeblich... mehr
Nichtsphärische Glasoptiken werden immer stärker nachgefragt. Derzeit sind diese optischen Elemente für beispielsweise Fotoobjektive oder Gleitsichtbrillengläser aufgrund ihrer aufwändigen Fertigung noch sehr teuer.
Das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT entwickelt ein Herstellverfahren für optische Glaskomponenten, welches besonders für die kostengünstige Fertigung von Asphären und Freiformoptiken geeignet ist. Damit soll künftig nahezu jede beliebige Oberflächengeometrie in kurzer Zeit herstellbar sein. In optischen Systemen wie Scheinwerfern, Projektoren, Fotoobjektiven und Brillengläsern sorgen Linsen für die Bündelung des Lichts und bestimmen mit ihrer Oberflächenform und -güte maßgeblich... mehr
Bauteile – etwa für den Werkzeug- und Formenbau – müssen bislang aufwändig manuell poliert werden. Bald könnte das automatisiert und damit viel schneller gehen: Vom 29.11. bis zum 2.12. präsentieren Fraunhofer-Forscher auf der Messe EuroMold 2011 in Frankfurt eine Werkzeugmaschine, die auch komplexe 3D-Oberflächen mittels Laserstrahlung auf Hochglanz bringt.
Millimeter für Millimeter glättet die Fachkraft mit Schleifsteinen und Polierpasten die Oberfläche einer Metallform. Etwa zehn Minuten pro Quadratzentimeter benötigt sie dafür – eine zeitintensive und damit kostspielige Angelegenheit. Viele Unternehmen haben es zudem schwer, Nachwuchskräfte für diese anspruchsvolle, aber gleichzeitig monotone Tätigkeit zu finden. Die Zeiten mühsamer Handarbeit könnten bald der Vergangenheit angehören: Gemeinsam mit der Maschinenfabrik Arnold und der... mehr
RSS
facebook
xing
twitter
linkedin

MaterialCards Weekly

Ihr persönlicher und kostenfreier Material-Reminder - wöchentlich per E-Mail

Service:
Material­cha­rak­teri­sierung und Werkstoffprüfung

Sie benötigen leistungsfähigste Methoden der Material­cha­rak­teri­sierung und Werk­stoff­prü­fung zur Optimierung Ihrer Produkte?
Charakterisierung von Katalysatoren
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Korrosionstests
Untersuchung von Diffusionsschichten
Metallographie
Medizintechnische Untersuchungen
Charakterisierung von Coatings
Automotive Testing
Prüfung von Kunststoffen
Charakterisierung von Composites
Bruchmechanik
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Thermographie
Charakterisierung von Fügetechnologien
Schadensanalyse von Produkten
Element-Mapping
Keramographie
Gefüge-Analytik
Barriere-Eigenschaften
Schadensanalyse von Bauteilen
Charakterisierung von Katalysatoren
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Korrosionstests
Untersuchung von Diffusionsschichten
Metallographie
Medizintechnische Untersuchungen
Charakterisierung von Coatings
Automotive Testing
Prüfung von Kunststoffen
Charakterisierung von Composites
Bruchmechanik
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Thermographie
Charakterisierung von Fügetechnologien
Schadensanalyse von Produkten
Element-Mapping
Keramographie
Gefüge-Analytik
Barriere-Eigenschaften
Schadensanalyse von Bauteilen
Kontaktieren Sie uns – Wir leiten Ihre Fragestellung an einen unserer Kooperationspartner weiter, die alle anerkannte und zertifizierte Prüf­la­bore mit modernster Ausstattung be­treiben.

Empfohlene Literatur

John C. Ion
Butterworth-Heinemann
H. Misawa et al.
Wiley-VCH
Alexander Koeppe
VDM Verlag

Empfohlene MaterialCards

Materialsgate Glossar

Aktor
Aktoren - häufig auch Aktuatoren genannt - wandeln in aller Regel elektronische Signale in eine andere Energieform um, etwa in Schall, Bewegung oder Drehmoment. Aktoren können in der Steuerungs- und Regelungstechnik somit als Gegenstück zu den Sensoren angesehen werden.
CAD
CAD ist die Abkürzung für Computer Aided Design. Dieser Begriff lässt sich treffend als „rechnerunterstützte Konstruktion“ übersetzen.
Schmelztemperatur
Als Schmelztemperatur wird die Temperatur bezeichnet, bei der ein Stoff schmilzt, also vom festen in den flüssigen Aggregatzustand übergeht. Verunreinigungen setzen die Schmelztemperatur i. d. R. herab.