MMaterialNews vom 04.05.2012

Energie: Nachhaltige Solarzellen aus häufigen Metallen

Nach Fukushima wird die Notwendigkeit von Alternativen zur Kernenergie immer deutlicher. Viele Technologien werden gegenwärtig intensiv erforscht, wobei oft vernachlässigt wird, wie nachhaltig die verwendeten Materialien sind. Ein Prozess jedoch, der auf teuren und seltenen Rohstoffen basiert, wird sich in der Massenproduktion kaum durchsetzen.
Chemiker der Universität Basel beschreiben nun in der angesehenen Fachzeitschrift «Chemical Communications» einen wegweisenden Ansatz zum Bau günstiger und nachhaltiger Farbstoff-Solarzellen auf der Basis von Zink – eines der häufigsten Elemente in der Erdkruste.

Farbstoff-Solarzellen oder DSC (Dye-sensitized Solar Cells) bestehen aus dem Halbleiter Titandioxid, auf dem ein Farbstoff verankert ist. Dieser Farbstoff absorbiert Sonnenlicht und überträgt Elektronen an den Halbleiter, wodurch ein Stromfluss entsteht. Den Forschern Nik Hostettler und Ewald Schönhofer aus der Gruppe der Professoren Edwin Constable und Catherine Housecroft an der Universität Basel sind nun zwei Durchbrüche gelungen: Erstens haben sie eine neue Strategie zur Herstellung und Verankerung von Farbstoffen an der Oberfläche von Titandioxid-Nanopartikeln entwickelt und zweitens konnten sie erstmals zeigen, dass dazu einfache Verbindungen des reichlich verfügbaren Metalls Zink verwendet werden können. Laut der Projektleiterin Dr. Biljana Bozic war entscheidend, ein Verfahren für die gleichzeitige Synthese des Farbstoffs und dessen Verankerung auf der Halbleiteroberfläche zu entwickeln.

Bunte Farbstoffe aus grauem Zink
Die Entdeckung, dass Zinkfarbstoffe zur Herstellung von Solarzellen verwendet werden können, war äusserst unerwartet. Laut Prof. Edwin Constable wird Zink von den meisten Chemikern als eher «langweiliges» Element angesehen, da die meisten seiner Verbindungen farblos sind. Bei Forschungsarbeiten im Hinblick auf neuartige Beleuchtungssysteme hatten er und sein Team organische Verbindungen entdeckt, die an Zink gebundenneuartige, intensiv-farbige Materialien bilden. Obwohl die mit farbigen Zinkverbindungen bestückten Solarzellen noch nicht besonders effizient arbeiten, öffnet diese Beobachtung den Weg für eine neue Generation von Solarzellen, die mit bisher unberücksichtigten Farbstoffen arbeiten.

Herkömmliche Farbstoff-Solarzellen verwenden Farbstoffe auf der Basis von Ruthenium. Ruthenium ist ein sehr seltenes Metall und mit rund 3'500 Franken (2990 ₀) pro Kilogramm entsprechend teuer. Kürzlich demonstrierte das Basler Forscherteam die Leistungsfähigkeit von Farbstoffen aus dem reichlich vorkommenden und relativ günstigen Kupfer (7,5 Fr./6,3 ₀ pro Kilogramm). Durch die Verwendung von billigem Zink (1,8 Fr./1,5 ₀ pro Kilogramm) erhöht sich die Nachhaltigkeit der Technologie zusätzlich. «Dies ist ein bedeutender Schritt in Richtung unseres Traums, Photovoltaik und Beleuchtung in intelligenten Vorhängen zu verbinden, die tagsüber Sonnenenergie speichern und nachts als Beleuchtungselemente dienen», so Ed Constable. «Dieses Vorhaben steht im Zentrum unseres Forschungsprogramms ‹Light-In, Light-Out›, das vom Europäischen Forschungsrat ERC finanziert wird.»

Quelle: Universität Basel - 02.05.2012.

Originalbeitrag:

Biljana Bozic-Weber, Edwin C. Constable, Nik Hostettler, Catherine E. Housecroft, Ralf Schmitt and Ewald Schönhofer, The d10 route to Q1 dye-sensitized solar cells: step-wise assembly of zinc(II) photosensitizers on TiO2 surfaces, Chemical Communications (2012) | doi: 10.1039/c2cc31729j

Weitere Informationen

Prof. Dr. Edwin C. Constable, Department Chemie der Universität Basel, Tel. +41 (0)61 267 10 01 oder +41 (0)61 267 27 36, E-Mail: Edwin.Constable@unibas.ch

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Die Zahl der mobilen Elektrogeräte vom Smartphone bis hin zum E-Bike steigt weltweit kontinuierlich an. Damit wächst auch der Bedarf für kleine, leichte und gleichzeitig leistungsfähige Akkus. Nachdem die Entwicklung der sogenannten Lithium-Ionen-Akkus weitgehend ausgereizt ist, schaut die Fachwelt auf neue, vielversprechende Stromspeicher, die Lithium-Schwefel-Akkus.
Um deren Realisierung voranzutreiben entwickelte ein Team um den LMU-Chemiker Professor Thomas Bein und Linda Nazar von der kanadischen Waterloo Universität poröse Nanopartikel aus Kohlenstoff, in denen der Schwefel so eingelagert ist, dass eine größtmögliche Leistungsfähigkeit des Akkus erreicht wird. Die bisherigen Prototypen des Lithium-Schwefel-Akkus bestehen aus einer Lithium-Elektrode und einer Schwefel-Kohlenstoff-Elektrode, zwischen denen Lithium-Ionen ausgetauscht werden. Der Schwefel... mehr
Chemiker und Physiker der Technischen Universität Chemnitz planen gemeinsam mit sächsischen Unternehmen eine technologische Revolution in der Photovoltaik. Sie wollen kostengünstigere Verfahren zur Herstellung von Dünnschicht-Solarzellen auf Silizium-Basis entwickeln.
Der Grund: Derzeitige Solarzellen, die Sonnenenergie umweltschonend direkt in elektrische Energie umwandeln, sind teuer in der Fertigung und haben einen relativ niedrigen Wirkungsgrad. "Unser Forschungsansatz ist die Herstellung von Siliziumschichten aus der Lösung", sagt Prof. Dr. Heinrich Lang, Inhaber der Professur Anorganische Chemie der TU Chemnitz. Dazu werden neuartige, Silizium enthaltende Moleküle synthetisiert und in Lösung gebracht. Diese werden anschließend auf flexible... mehr
Das Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) stellt gemeinsam mit der Q-Cells SE, einem der führenden Photovoltaik-Unternehmen der Welt, eine n-Typ Emitter-Wrap-Through (EWT) - Solarzelle mit einem Rekordwirkungsgrad von 21,0% auf einem Waferformat von (156×156) mm2 vor. Das Zellkonzept wurde im Rahmen des BMU-geförderten Forschungsprojektes „ALBA II“ entwickelt.
Bereits bei der 37. IEEE PVSEC-Konferenz in Seattle 2011 wurde für das Zellkonzept ein Wirkungsgrad von 21,6% auf einer Fläche von (20 × 20) mm2 präsentiert. Der Zellprozess wird auf monokristallinem n-Typ Czochralski-Silizium durchgeführt. Der Bor-dotierte Emitter wird mittels Laserstrukturierung definiert und mit einer Siliziumnitrid-Aluminiumoxid-Doppelschicht optimal passiviert. Die Herstellungsprozesse wurden am ISFH für große Flächen aufskaliert. Außerdem wurde ein neuartiges Rückseitenkontaktdesign... mehr
Das Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) steigert in Zusammenarbeit mit SINGULUS TECHNOLOGIES AG den Wirkungsgrad von Siebdruck-Silizium-Solarzellen von den heute in der PV Industrie üblichen 17,0% bis 18,5% auf einen Rekordwert von 20,1%, wie das Fraunhofer ISE in einer unabhängigen Messung bestätigte.
Eine verbesserte Zellrückseite mit einer ICP-AlOx/SiNy Doppelschicht ermöglicht diesen Fortschritt ohne „Selektive Emitter“ Technologie. 20,1% ist einer der weltweit höchsten gemessenen Wirkungsgrade für industrietypische Solarzellen mit Siebdruckmetallisierung (nur Schott Solar und Q-Cells erzielten höhere Wirkungsgrade mit 20,2%). Zwei technologische Verbesserungen ermöglichen die Wirkungsgradsteigerung. Zum einen wird die Rückseite der Solarzellen mit einer ICP-AlOx/SiNy Doppelschicht... mehr
RSS
facebook
xing
twitter
linkedin

MaterialCards Weekly

Ihr persönlicher und kostenfreier Material-Reminder - wöchentlich per E-Mail

Service:
Material­cha­rak­teri­sierung und Werkstoffprüfung

Sie benötigen leistungsfähigste Methoden der Material­cha­rak­teri­sierung und Werk­stoff­prü­fung zur Optimierung Ihrer Produkte?
Element-Mapping
Bruchmechanik
Schadensanalyse von Bauteilen
Korrosionstests
Charakterisierung von Composites
Metallographie
Untersuchung von Diffusionsschichten
Medizintechnische Untersuchungen
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Prüfung von Kunststoffen
Automotive Testing
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Schadensanalyse von Produkten
Thermographie
Charakterisierung von Fügetechnologien
Charakterisierung von Katalysatoren
Charakterisierung von Coatings
Barriere-Eigenschaften
Gefüge-Analytik
Keramographie
Element-Mapping
Bruchmechanik
Schadensanalyse von Bauteilen
Korrosionstests
Charakterisierung von Composites
Metallographie
Untersuchung von Diffusionsschichten
Medizintechnische Untersuchungen
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Prüfung von Kunststoffen
Automotive Testing
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Schadensanalyse von Produkten
Thermographie
Charakterisierung von Fügetechnologien
Charakterisierung von Katalysatoren
Charakterisierung von Coatings
Barriere-Eigenschaften
Gefüge-Analytik
Keramographie
Kontaktieren Sie uns – Wir leiten Ihre Fragestellung an einen unserer Kooperationspartner weiter, die alle anerkannte und zertifizierte Prüf­la­bore mit modernster Ausstattung be­treiben.

Empfohlene Literatur

Rik DeGunther
Wiley & Sons
Mario Pagliaro et al.
Wiley-Vch
Adrian Kitai
John Wiley & Sons

Empfohlene MaterialCards

Materialsgate Glossar

Elektronen
Elektronen sind elektrisch negativ geladene Elementarteilchen, sie werden mit dem Symbol e- abgekürzt. Elektronen halten sich in der Atomhülle auf und bestimmen das chemische Verhalten der jeweiligen Atome.
Element
Unter einem chemischen Element versteht man einen Reinstoff, der mit chemischen Methoden nicht weiter zerlegt werden kann. Alle Atome eines chemischen Elements haben die gleiche Kernladungszahl (Protonenzahl).
Halbleiter
Halbleiter sind Festkörper (Elemente oder Verbindungen), die hinsichtlich ihrer elektrischen Leitfähigkeit sowohl als Leiter als auch als Nichtleiter betrachtet werden können. Die Zunahme der elektrischen Leitfähigkeit mit steigender Temperatur ist charakteristisch für Halbleitermaterialien.
Kupfer
Kupfer (Cu, Dichte: 8,9 g/cm3, Fp: 1083,4 °C) ist ein hellrot glänzendes, gut formbares und relativ zähes Metall mit großer technischer Bedeutung. Kupfer ist ein hervorragender Wärme- und Stromleiter. Typische Anwendungen: Armaturen, Münzen, Rohre, Stromkabel, Schmuck, Kessel, Kunstgegenstände, Musikinstrumente.
Oberfläche
Unter einer Oberfläche versteht man die Fläche zwischen einer festen und einer gasförmigen Phase.
Photovoltaik
Die Photovoltaik beinhaltet technologische Anwendungen, die sich mit der direkten Umwandlung von Strahlungsenergie - insbesondere Sonnenenergie - in elektrische Energie befassen.
Ruthenium
Ruthenium (Ru, Dichte: 12,37 g/cm3, Fp: 2334 °C) ist ein silberweißes, hartes und sprödes Schwermetall mit edlem Charakter. Verwendung: Festplatten, Kontaktmaterial, Katalysatoren, Legierungselement.
Synthese
In der Chemie umfasst der Begriff Synthese alle Methoden und Verfahren, mit denen aus Elementen Verbindungen oder aus einfach gebauten Verbindungen komplexere Stoffe - beispielsweise Werk- und Wirkstoffe - hergestellt werden.
Zink
Zink (Zn, Dichte: 7,14 g/cm3, Fp: 419,5 °C) ist ein bläulich weißes, unedles Schwermetall, welches bei Raumtemperatur einen eher spröden Charakter zeigt. Zink bildet an der Luft eine witterungsbeständige und vergleichsweise stabile Schutzschicht aus Zinkoxid und Zinkcarbonat, die als Korrosionsschutz wirkt. Verwendung: Legierungselement (Messing), Beschichtungsmaterial, Zinkblech, Anodenmaterial, Zinkdruckguss.