MMaterialNews vom 31.03.2011

Innovativ: Neuartige Metallschäume mildern die Aufprall-Energie beim Crash um das Zehnfache

Die Knochen von Menschen und Tieren haben eine schaumartige Struktur und sind deshalb leicht und trotzdem sehr stabil. Diese Struktur wird von Materialforschern nachgeahmt – unter anderem mit Metallschäumen, die als Leichtbauelemente verwendet werden.
Rolf Hempelmann, Professor für Physikalische Chemie der Universität des Saarlandes, und sein Team haben nun eine neuartige Beschichtung für konventionelle Metallschäume entwickelt, die aus nanokristallinem Nickel besteht. Sie macht den Schaum so stabil, dass er zehnmal mehr Energie absorbieren kann als ein unbeschichteter Schaum. Beschichte Metallschäume sind daher der ideale Crash-Schutz.

Die beschichteten Metallschäume stellen die Wissenschaftler vom 4. bis zum 8. April auf dem saarländischen Forschungsstand der Hannover Messe (Halle 2, Stand C44) vor.

Metallschäume sind vielversprechende Ausgangsstoffe unter anderem für die Bauwirtschaft, denn sie sind leicht und gleichzeitig relativ stabil. Weit verbreitet sind Metallschäume mit einer offenen dreidimensionalen Netzwerkstruktur, so genannte offenporige Schäume, die insbesondere aus Aluminium hergestellt werden. Forschern der Universität des Saarlandes ist es nun gelungen, die vorteilhaften Eigenschaften metallischer Schäume durch hauchdünne Beschichtungen noch zu verbessern.

„Mit Hilfe von nanokristallinem Nickel konnten wir die Fähigkeit der offenporigen Aluminiumschäume, Energie zu absorbieren, um das Zehnfache erhöhen“, erklärt Professor Rolf Hempelmann. „Damit ist das Material ein idealer Crash-Schutz für Autos oder Züge“, erläutert der Wissenschaftler, der an der Universität des Saarlandes den Lehrstuhl für Physikalische Chemie leitet. Die beschichteten Metallschäume halten nicht nur höheren Druck aus als die herkömmlichen Schäume, sondern sind auch steifer und weniger anfällig für Zugkräfte – und das bei nur minimaler Gewichtszunahme.

Die Beschichtung erfolgt in einem galvanischen Bad. „Dabei wird die nanokristalline Nickelschicht elektrochemisch auf den feinen Verstrebungen des Schaums abgeschieden“, erläutert Rolf Hempelmann. Rund 100 Mikrometer, also ein Zehntel Millimeter dick ist diese Schicht aus nanokristallinen Nickelteilchen. „Unsere Beschichtung folgt einem Konstruktionsprinzip, das wiederum der Natur abgeschaut ist“, sagt der Chemiker „Die extrem harte Beschichtung, die die Streben umkleidet, ist der Struktur eines Bambusstabs vergleichbar, der durch seine äußere harte Schicht unglaubliche Festigkeiten erreicht.“ Und dies ist noch nicht das Ende der Entwicklung: „Um die Druckfestigkeit der Metallschäume noch weiter zu erhöhen, kann man sie zusätzlich noch mit einem Polymer-Schaum füllen“, sagt der Saarbrücker Wissenschaftler.

An ihrem Forschungsstand auf der Hannover Messe präsentieren die Forscher der Universität des Saarlandes unbeschichtete und beschichtete Metallschäume sowie Schäume mit verschiedenen Füllmaterialien.

Quelle: Universität des Saarlandes - 30.03.2011.

Weitere Informationen

Professor Rolf Hempelmann
Tel. 0681 302-4750
E-Mail: r.hempelmann@mx.uni-saarland.de

Recherchiert und dokumentiert von:

Dr.-Ing. Christoph Konetschny, Materialberater, Inhaber Materialsgate
Die Recherche und Aufbereitung der in diesem Dokument genannten Daten erfolgte mit größter Sorgfalt.
Für die Richtigkeit, Gültigkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit der genannten Daten übernehmen wir zu keinem Zeitpunkt die Haftung.
Bitte diskutieren Sie die Verwendung und Eignung für Ihren konkreten Anwendungsfall mit den Experten der genannten Institution.

Sie wünschen Material- und Technologierecherchen zu diesem Thema?

Materialsgate steht für hochwertige Werkstoffberatung und innovative Materialrecherchen.
Nutzen Sie unseren Beratungsservice

MMehr zu diesem Thema

Flexibel und fest wie der menschliche Knochen und sofort belastbar: Ein neuartiges Implantat aus Titanschaum ähnelt im Aufbau der Struktur im Knocheninneren. Dies macht ihn nicht nur weniger steif als herkömmliche massive Implantate. Es fördert auch das Einwachsen in den angrenzenden Knochen.
Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Dasselbe gilt für seine Knochen: Werden sie stärker belastet, entwickelt sich dichteres Gewebe. Weniger stark beanspruchte Teile des Skeletts weisen eine geringere Knochendichte auf. Der Reiz der Belastung stimuliert das Wachstum der Matrix. Diesen Effekt wollen Mediziner künftig verstärkt nutzen, um Implantate dauerhafter und stabiler mit den Knochen des Patienten zu verbinden. Dafür muss der Knochenersatz jedoch so gestaltet sein, dass er ein Einwachsen... mehr
Das Forscherteam Prof. Dr. Bernhard Middendorf, Prof. Dr. Jürgen Neisecke und Dr. Armin Just vom Lehrstuhl Werkstoffe des Bauwesens der Technischen Universität Dortmund hat sich zum Ziel gesetzt, einen Baustoff aus Beton zu entwickeln, der die Festigkeit und flexiblen Einsatzmöglichkeiten von herkömmlichem Beton mit einem geringen spezifischen Gewicht und den positiven Wärmedämmeigenschaften von Poren- und Schaumbeton verbindet.
Das Ergebnis ihrer Forschung: "Ultraporcrete", ein hochfester, chemisch aufgetriebener, an der Luft erhärtender Konstruktionsbeton mit hervorragenden Wärmedämmeigenschaften. Beton ist ein zeitgemäßer Massenbaustoff, der weltweit auf nahezu allen Baustellen präsent ist und Dank seiner vielseitigen Einsatzmöglichkeiten eine hohe Akzeptanz bei Planern und Anwendern genießt. Aufgrund seiner hohen Dichte verfügt Normalbeton über unzureichende Wärmedämmeigenschaften, was zur Folge... mehr
Mit einem speziellen Verfahren lassen sich zukünftig die mechanischen, thermischen und akustischen Eigenschaften von Schäumen verbessern.
Davon profitiert vor allem der Leichtbau. Auf der hybridica in München demonstriert das Fraunhofer-ICT vom 11. bis 14. November in Halle C2, Stand 102 die Einsatzmöglichkeiten der neuen Hybridschäume. Mutter Natur ist eine pfiffige Bauherrin. Die Zellstruktur von Knochen und Bienenwaben zum Beispiel ist besonders belastbar und benötigt dafür extrem wenig Material. Der Prozess in dem diese leichtgewichtigen Konstruktionen entstehen eignet sich genauso um Metalle, Kunststoffe und Keramik zu... mehr
Zu einem ungewöhnlichen Experiment in die Schwerelosigkeit brechen Forscher des Berliner Hahn-Meitner-Instituts (HMI) in der nächsten Woche auf.
Sie fliegen nicht etwa zur Weltraumstation ISS, sondern in den Westen Frankreichs zum Flughafen Bordeaux-Mérignac, wo sie in einen speziell ausgebauten Airbus 300 der Firma Novespace steigen werden. Mit ihrer Laborausrüstung im Gepäck starten sie am 13., 14. und 15. November zu einem jeweils dreistündigen Parabelflug. Der Airbus wird dabei dreißig Mal zunächst scharf aufsteigen und dann antriebslos im freien Fall entlang einer Wurfparabel fliegen. Das dauert jeweils 20 Sekunden, in denen... mehr
RSS
facebook
xing
twitter
linkedin

MaterialCards Weekly

Ihr persönlicher und kostenfreier Material-Reminder - wöchentlich per E-Mail

Service:
Material­cha­rak­teri­sierung und Werkstoffprüfung

Sie benötigen leistungsfähigste Methoden der Material­cha­rak­teri­sierung und Werk­stoff­prü­fung zur Optimierung Ihrer Produkte?
Charakterisierung von Fügetechnologien
Thermographie
Medizintechnische Untersuchungen
Bruchmechanik
Charakterisierung von Composites
Gefüge-Analytik
Prüfung von Kunststoffen
Untersuchung von Diffusionsschichten
Element-Mapping
Charakterisierung von Katalysatoren
Schadensanalyse von Bauteilen
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Metallographie
Keramographie
Barriere-Eigenschaften
Automotive Testing
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Korrosionstests
Schadensanalyse von Produkten
Charakterisierung von Coatings
Charakterisierung von Fügetechnologien
Thermographie
Medizintechnische Untersuchungen
Bruchmechanik
Charakterisierung von Composites
Gefüge-Analytik
Prüfung von Kunststoffen
Untersuchung von Diffusionsschichten
Element-Mapping
Charakterisierung von Katalysatoren
Schadensanalyse von Bauteilen
Prüfung von Werkstoffen der Elektrotechnik
Metallographie
Keramographie
Barriere-Eigenschaften
Automotive Testing
Charakterisierung von Nanobeschichtungen
Korrosionstests
Schadensanalyse von Produkten
Charakterisierung von Coatings
Kontaktieren Sie uns – Wir leiten Ihre Fragestellung an einen unserer Kooperationspartner weiter, die alle anerkannte und zertifizierte Prüf­la­bore mit modernster Ausstattung be­treiben.

Empfohlene Literatur

Geoff Davies
Butterworth-Heinemann
Hansjörg Lipowsky
Wiley-VCH
Rudolf Stauber et al
Hanser
Jürgen Bischoff et al
Log_x (2007)

Empfohlene MaterialCards

Materialsgate Glossar

Aluminium
Aluminium (Al, Dichte: 2,7 g/cm3, Fp: 660,4 °C) ist ein silbergraues, wenig glänzendes und weiches Leichtmetall mit hoher Duktilität. Aluminium ist ein guter Wärme- und Stromleiter. Durch die Ausbildung einer dünnen, dichten und haftenden Oxidschicht besitzt Aluminium gute Korrosionseigenschaften (Passivierung). Typische Anwendungen: Münzen, Spiegel, Folien, Behältnisse, Kabel, Rohre, Karosseriebau, Verpackungen, Profile.
Chemie
Die Chemie ist eine exakte Naturwissenschaft. Sie beschäftigt sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften und der Umwandlung von Stoffen. Chemische Vorgänge gehen immer mit einer Stoffänderung einher.
Druck
In den Naturwissenschaften versteht man unter dem Druck die Wirkung einer Kraft auf eine Fläche. Die abgeleitete SI-Einheit des Drucks ist das Pascal [Pa].
Nickel
Nickel (Ni, Dichte: 8,91 g/cm3, Fp: 1455 °C) ist ein silbrig-weißes und glänzendes Schwermetall. Nickel ist vergleichsweise hart, hoch duktil, polierbar und ferromagnetisch. Verwendung: Katalysator, Korrosionsschutz, Legierungselement, Chemietechnik.
Schaum
Ein Schaum (lat. spuma) ist ein Stoffsystem, bei dem eine gasförmige Phase in Bläschen eingeschlossen ist, die aus festen oder flüssigen Wänden bestehen.